Corona: Ressourcen zur theologischen Einordnung / Christliche Reaktionen auf staatliche Verordnungen zur Eindämmung

Es gibt einige interessante Beiträge und Ressourcen zum Umgang oder zur Deutung der Corona-Krise. Hier meine subjektive Auswahl. Erstmalig habe ich diese Liste am 28.04.2020 veröffentlicht. Seitdem wird sie immer mal wieder ergänzt.

a. Theologische Einordnung
b. Über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen der Regierung und über den Umgang der Gemeinden damit, und wie Christen auf die Pandemie reagieren könnten
c. Hilfreiche Materialsammlungen

By the way: Am 21.10.2020 wurde ich selbst positiv auf das Virus getestet, dass bei mir am 16.10. wohl die ersten Symptome ausgelöst hat. Ich habe bisher nur leichte Erkältungssymptome und bin mit meiner Familie in Quarantäne. Update 04.11.2020: Wir haben es als Familie – Gott sei Dank! – gut überstanden.

covid 4948866 1920a. Theologische Einordnung

  • Backhaus, Arno 2020, Newsletter: Er stellt in seinem Shop-Newsletter die Frage: Hat die Corona Krise was mit Gott zu tun? und gibt am Ende als Antwort: „Ich vertraue auf das Paradies. Ich setze meine Hoffnung nicht auf die moralische Optimierung unserer Gesellschaft. Alle Anstrengungen können nicht unsere grundsätzliche Erlösungsbedürftigkeit beseitigen. Ich vertraue auf das Versprechen des christlichen Glaubens, dass auf uns eine Welt wartet, die nicht ein bisschen besser ist, sondern schlichtweg gut und frei vom Bösen. Wir erleben gerade eine Ausnahmesituation, die uns selbst und unser Vertrauen auf den Prüfstand stellen. Noch vor vier Wochen hätten keiner von uns gedacht, dass Klopapier und Konservendosen zur Mangelware werden könnten … Jetzt zeigt sich, für was wir bereit sind, hohe Preise zu bezahlen. Dabei sollten wir nicht vergessen, dass der höchste Preis bereits von Jesus bezahlt wurde! Wir sind oft genug darauf vorbereitet worden, dass solche Zeiten tatsächlich kommen werden … nicht kommen könnten, sondern kommen werden! Sind wir wirklich vorbereitet, oder haben auch wir zu wenig Lampenöl, wie die unklugen Brautjungfern? Was ist uns wirklich teuer im Leben, wofür sind wir bereit, einen hohen Preis zu bezahlen? Wir sind gut beraten, die richtigen Prioritäten zu setzen und dem zu vertrauen, dessen Verheißungen nicht ins Leere laufen! Er wird seine Verheißungen wahr machen, er ist der Fels in der Brandung und das Licht am Ende des Tunnels! Unser Vertrauen in ihn ist die beste Investition, die wir tätigen können, sie schwankt nicht, wie die aktuellen Börsenkurse weltweit und die Rendite daraus ist sicher! Lasst uns in diesen schwierigen Zeiten dankbar dafür sein, dass er bereits den höchsten Preis für jeden einzelnen beglichen hat! Danke Herr für Deine Liebe, Deine Güte, Gegenwart und Deinen Segen!“
  • Claesberg, Veit 2020, Blogeintrag: Hoffnung verbreiten: Gedanken zur aktuellen Corona-Pandemie / Versuch einer theologischen Einordnung
  • 25.10.2020: Claesberg, Veit 2020. Song 23: Der Hirte zieht uns durch: Predigt zu Psalm 23 während der Pandemie.
  • 30.05.2020: DeYoung, Kevin 2020, Blogartikel: Wenn nicht alles offensichtlich ist. Ein Plädoyer für epistemische Demut: https://www.evangelium21.net/media/2026/wenn-nicht-alles-offen%C2%ADsichtlich-ist
  • 25.10.2020: Ficher, Johannes 2020. Covid-19 und Gott. Die Seuche stellt erneut die Friage: Wie allmächtig und gut ist Gott? Artikel: https://zeitzeichen.net/node/8493
    Aus dem Inhalt: “Was aber die theologische Debatte über Covid-19 betrifft, so sollte mit dem Gesagten deutlich geworden sein, dass die Frage, ob und was Covid-19 mit Gott zu tun hat, in die Irre führt. Worum es eigentlich geht, ist die Frage, ob Menschen sich dazu verstehen können, in dem, was ihnen im Guten und Schlechten widerfährt, mit Gottes verborgener Gegenwart zu rechnen. Das aber ist keine Frage an die Theologie, sondern eine Frage nicht zuletzt an uns selbst.”
  • 05.09.2020: Hakius, Bettina K. 2020. Das Corona-Phänomen und Gottes Botschaft an uns, Artikel in Offene Türen 3/2020, Forum Wiedenest e.V.
  • 05.07.2020: Errington, Andrew 2020. Wer kann das ertragen? Die geistliche Chance durch Covid-19: https://www.ethikinstitut.de/wer_kann_das_ertragen/
  • Hardmeier, Richard 2020, Aritkel: Die Corona-Krise und die die Endzeit. Gute und differenzierte Einordnung., IGW. Hier klicken.
  • 17.05.2020: Lennox, John C. 2020. Wo ist Gott in dieser Welt? … und was ist mit Covid 19? Daniel-Verlag. Cover-Text: “Der Autor, emeritierter Mathematikprofessor an der Universität Oxford, äußert sich zur gegenwärtigen Corona-Krise. Er stellt sich vor, mit dem Leser in einem Café zu sitzen. Der fragt ihn, was er von der Krise halte. John Lennox schildert seine Gedanken und kommt unweigerlich auf Gott zu sprechen. Er lädt ein, wieder über den Glauben nachzudenken, mit Gott zu rechnen und das Rettungswerk Jesu anzunehmen. Ein beeindruckendes und horizonterweiterndes Buch für alle, die Antworten auf die großen Fragen des Lebens suchen.” Hier kann man es für 2,90 € erwerben: https://www.amazon.de/Wo-ist-Gott-dieser-Welt/dp/3945515505
  • 25.10.2020: Lenox, John im Interview mit Iain Morris über das Buch “God in a Coronavirus World“, Vimeo-Video: https://vimeo.com/403768707
  • Piper, John 2020, Buch: Corona und Christus. Hat einen christozentrischen Ansatz. Als Hörbuch, pdf und pub erhältlich https://www.evangelium21.net/media/1966/corona-und-christus
  • Piper, John 2020, Aritkel: Welchen Sinn hat das Corona-Virus: https://www.evangelium21.net/media/1926/welchen-sinn-hat-das-coronavirus
  • Wright, N. T. 2020, Aritkel: Christianity Offers No Answers About the Coronavirus. It’s Not Supposed To. Provizierend! Piper lehnt diese Meinung im Vorwort seines Buches ab. https://time.com/5808495/coronavirus-christianity/
  • Steinert, Jonathan 2020, Kommentar: Danke Franziskus! Er betont die Demut, die wir in der Krise brauchen. https://www.pro-medienmagazin.de/kommentar/2020/04/23/danke-franziskus/

b. Über die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen der Regierung und über den Umgang der Gemeinden damit, und wie Christen auf die Pandemie reagieren könnten:

c. Hilfreiche Materialsammlungen

  • 05.11.2020: Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden bietet auf seiner Webseite hilfreiche Tipps zu verschiedenen Themenbereichen rund um Corona an: https://www.befg.de/aktuelles-schwerpunkte/corona/
  • 07.07.2020: Die Weltweite Evangelische Allianz hat eine eigene Seite mit Ressourcen zum Umgang mit Covid-19: The Church Responding To Covid-19 With Faith, Hope And Love, siehe https://covid19.worldea.org/

Rezension: Schuldbekenntnisse aus dem Bund Ev.-Freikirchlicher Gemeinden und anderen Kirchen in Deutschland nach 1945

Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich einige Bücher gelesen, die die freikirchliche Geschichte der Baptisten- und Brüdergemeinden in der NS-Zeit aufarbeiten.

Szorbies Schuldbekenntnisse BEFGSzobries, Heinz, 2013, Schuldbekenntnisse aus dem Bund Ev.-Freikirchlicher Gemeinden und anderen Kirchen in Deutschland nach 1945, Oncken-Archiv Elstal 2013, Baptismus-Dokumentation 3

In diesem Buch geht es um die Frage nach einem Schuldbekenntnis zum Verhalten im Nationalsozialismus seitens des BEFG. Grundsätzliches dazu findet sich am Anfang des Buches, bis Seite 32.

Das Buch enthält einen sehr umfangreichen Dokumentationsteil ab Seite 33-82 aus den Reihen des BEFG und ab Seite 83f aus anderen Kirchen.

Der Autor zeigt auf, dass in den Anfangsjahren ein Schuldbekenntnis strikt abgelehnt wurde. Es gab aber auch einzelne Vorschläge und Gegenmeinungen, die – soweit bekannt – aufgeführt werden. Ein echtes Schuldbekenntnis, das als Erklärung herausgegeben wurde, aber als Schuldbekenntnis anzusehen ist und auch so aufgefasst wurde, gab es erst 1984 auf der EBF-Tagung und wird  „Hamburger Schuldbekenntnis“ (:65) genannt. Die Arbeitsgemeinschaft der Brüdergemeinden gab erst 1995 ein sehr klares eigenes Schuldbekenntnis heraus.

Fazit: eine wichtige Zusammenstellung zum Thema Schuldbekenntnisse zum Nationalsozialismus innerhalb der freikirchlichen Szene, vor allem der des BEFG.

Rezension: Der Streit über den Weg der Baptisten im Nationalsozialismus (Roland Fleischer)

Im Zuge meiner Masterarbeit habe ich einige Bücher gelesen, die die freikirchliche Geschichte der Baptisten- und Brüdergemeinden in der NS-Zeit aufarbeiten.

Fleischer Der StreitFleischer, Roland 2014. Der Streit über den Weg der Baptisten im Nationalsozialismus. Jacob Köbberlings Auseinandersetzung mit Paul Schmidt zu Oxford 1937 und Velbert 1946. Baptismus-Dokumentation 4. Elstal: Oncken-Archiv.

In Fleischers Buch geht es um die Beurteilung der baptistischen, bzw. später evangelisch-freikirchlichen Haltung zum NS-Staat. Sie wird dokumentiert anhand der Auseinandersetzung zwischen dem baptistischen Arzt und Gemeindemitglied Jacob Köbberling und dem damaligen Bundesdirektor Paul Schmidt und weiteren führenden BEFG-Persönlichkeiten.

Grundsätzlich wird durch die Veröffentlichung Fleischers deutlich, dass es im BEFG einzelne Stimmen gab, die ein alternatives und radikaleres Auftreten gegenüber dem NS-Staat für richtiger hielten und eine Solidarisierung mit der Bekennenden Kirche forderten, im Gegensatz zur Anpassungsstrategie der damaligen Leitungsverantwortlichen im BEFG.

Schon 1937 kritisiert Köbberling scharf das Auftreten von Schmidt auf der Weltkirchenkonferenz im englischen Oxford, an der Schmidt und der methodistische Bischof Melle als Vertreter der Vereinigung ev. Freikirchen teilnahmen. Sie waren damit die einzigen deutschen Kirchenvertreter auf der Konferenz. Die Vertreter der Ev. Kirchen erhielten vom Staat aufgrund der „Kirchenkampf“-Situation ein Reiseverbot. Schmidt und Mello kritisieren öffentlich Teile einer solidarischen Stellungnahme der Kirchenkonferenz zur Situation der Kirche in Deutschland.

Köbberling verfasst eine Stellungnahme und übt am Auftreten von Schmidt und Melle scharfe Kritik. Die darauf entstandene Korrespondenz wird von Fleischer dokumentiert.

Auf der ersten Bundeskonferenz nach dem Krieg 1946 rechtfertigte Bundesdirektor Paul Schmidt seine Haltung gegenüber dem NS-Regime im offiziellen Bericht „Unser Weg“. In diesem Bericht wird deutlich, dass die Bundesleitung dem NS-Staat so lange ohne offenen Widerstand begegnet ist, weil dieser nicht die Verkündigung des Evangeliums einschränkte. Hier wäre dann eine Grenze erreicht gewesen. Außerdem wird im Bericht der Zusammenschluss von Baptisten- und Brüdergemeinden nicht als von außen aufgedrückte Entscheidung gedeutet, sondern aus dem Gedanken der Einheit heraus begründet. Ebenso betonte Schmidt, dass dem BEFG die zersplitterte Situation der Deutschen Evangelischen Kirche vs. Bekennender Kirche erspart geblieben sei. Er lehnte auch ein Schuldeingeständnis als Kirche ab. Ein Wort zur Situation der Juden im NS-Staat ersparte sich Schmidt ebenfalls.

Köbberling kritisiert diesen Bericht in einer Gegenschrift an die Bundesleitung, die erst 2014 veröffentlicht wurde. Er betrachtet den Weg des BEFG als fragwürdig, würdigt die Bekennende Kirche und betrachtet die Vereinigung von Brüder und Baptisten als noch auf viel zu schwacher Grundlage stehend und macht das z.B. an dem Glaubensbekenntnis des BEFG von 1944 (Wiedenest) deutlich. Auch mahnt er an die Schuldfrage zu klären. Die daraus entstandene Korrespondenz wird ebenfalls dokumentiert.

Weiter wird das Glaubensbekenntnis des BEFG von 1944 dokumentiert, mit den kritischen Stellungnahmen Rufus Flügge und Köbberling.

Der Anhang rundet die Ausführungen mit einer Kurzbiografie von Köbberling und Schmidt ab, sowie mit einem Zeitzeugeninterview mit Köbberling 2001 und einem Bericht über ein Podiumsgespräch mit Köbberling 1989.

Damit ist dieses Buch ein wichtiger Beitrag zur freikirchlichen Geschichte im Nationalsozialismus.

Erschienen: Mein Buch über Christian Leadership

Ein ungewöhnlicher Ansatz, pastorale und historische Theologie miteinander zu verknüpfen und auf ethisch-theologische Fragestellungen zu beziehen. Der vorliegende Band kann ein Impuls sein, diese Fragen pastoraler Verantwortung für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu reflektieren.

Pastor Reinhard Assmann
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Ich freue mich sehr, dass mein Buch über Arnold Köster erschienen ist.
Arnold Köster war einer der sehr wenigen freikirchlichen Pastoren, die während der NS-Zeit mutig von der Kanzel gegen die unmenschlichen und  antichristlichen Unarten der NS-Ideologie gepredigt hat. Er leitete durch Verkündigung und hielt seine Gemeinde auf Kurs. Ich vergleiche sein Handeln mit huetigen pastoralen Leitungsmodellen und arbeite besonders den prophetischen Aspekt von Leitung heraus.


Das Buch kann bei BoD oder Amazon oder auch in jedem Buchhandel für günstige 9,90€ versandkostenfrei bestellt werden. Außerdem erscheint bald eine eBook-Ausgabe.
Ich danke dem Oncken-Archiv Elstal, die das Buch als Band 8 der renommierten Schritenreihen “Baptismus-Dokumentation” veröffentlicht haben.

 

 

Der pastorale Leiter als Prophet

Geschafft! Im August habe ich mein nebenberufliches Studium absolviert. Der Titel meiner Masterarbeit lautet: Der pastorale Leiter als Prophet – Der Baptistenpastero Arnold Köster (1896-1960)im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Die Arbeit wird demnächst hier veröffentlicht.

Hier gibt es schon mal vorab die Zusammenfassung:

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