Rezension: Frei predigen

Anrd E. Schnepper, Frei predigenSchnepper, Arndt E. 42012. Frei predigen. Ohne Manuskript auf die der Kanzel. Witten: SCM R.Brockhaus.
4 von 5 Punkten

In seinem ca. 120seitigen Büchlein plädiert Schnepper für das freie Predigen. Das macht sein Buch interessant und einzigartig. Dabei legt er Wert auf eine gründliche und auch schriftliche Vorbereitung der Predigt und betont besonders das Memorieren der Predigt, die dann frei vorgetragen wird.

Neben Vorwort und Zusammenfassung gliedert sich das Buch in sechs Kapitel, wobei das vierte Kapitel „Die fünf Phasen der freien Predigt“ den Schwerpunkt des Buches bildet.

Einleitend meint Schnepper, dass eine gute Predigt für alles entschädige, was vielleicht in einem Gottesdienst nicht gefalle (:8). Predigt sei Gottes Wort von Menschen gesprochen (Lk 10,16). „In ihr kommt Gott selbst zur Sprache, sie wird zum Medium des Heiligen Geistes.“ (:8) Aber leider sei die Predigt in die Krise geraten. Ein Ausweg aus dieser Krise sei die Wiederentdeckung der freien Rede.
Er bringt im ersten Kapitel fünf Argumente für die freie Predigt (:14f): sie sei kommunikativ, hörerfreundlich, dialogisch, sie entspräche dem Evangelium und sei sensibel für den Heiligen Geist. Er sieht sogar eine Renaissance der freien Predigt aufziehen (:23).

Im zweiten Kapitel legt er die Geschichte der freien Predigt dar. Vorbilder seien Jesus und die Apostel, Kirchenväter wie Aurelius Augustinus, Martin Luther, Friedrich Schleiermacher und aus dem 19. Jahrhundert – der „Blütezeit der Predigt“ – Harms, Stier, Hofacker und Christlieb. Dann sei der Umschwung gekommen, ausgelöst durch die philosophische Attacke der Predigt, theologischen Verzerrungen und technische Entwicklungen. Das hätte zur Misere der Predigt geführt.

Im nächsten Kapitel erklärt Schnepper genauer, was er mit der freien Predigt meint. Predigt ist für ihn ein Wanderweg, eine darstellende Kunst, in der auch wie in der Musik improvisiert und interpretiert werde. In ihr werde auch laut gedacht. Schließlich fragt er: „Wie sieht nun die Partitur oder das Drehbuch einer freien Predigt aus?“ (:46). Er schlägt eine Predigtachse von fünf Phase vor: 1. Inhalte finden. 2. Stoffe gliedern. 3. Sätze formulieren. 4. Gedanken meditieren. 5. In Aktion setzen.

Diese Phasen führt er dann einzeln und ausführlich im vierten Kapitel aus. Für Phase 1 sei entscheidend, dass Herz, Kopf und Hand der Hörer angesprochen werden. Für das Herz sei die freie, emotionale Rede wichtig. Nur wer begeistert sei, könne auch andere anstecken (:50). Deswegen müssten Bilder erzeugt werden. Verschiedene Formen von Erzählungen ließen ein Kopfkino entstehen (:53-59). Auch deutliche Worte würden das Herz ansprechen. Kopf-Elemente sind für ihn die interessante Exegese, dogmatische Zusammenhänge, die Kirchengeschichte, Erfahrungen aus der Seelsorge, aktuelle Bezüge (hier gelte es den ‚status confessionis‘ nicht zu verpassen (:64)), Problemanzeigen, Argumente, Zahlen, Zitate und Wortspiele. Hand-Elemente, wie die Empfehlung und die Konkretisierung machten die Predigt schließlich konkret. In Phase 2 müsse nun der Stoff gegliedert werden. „Merkbare Predigten brauchen merkbare Strukturen.“ (:69). „Ja, es darf beim Zuhörer gar kein Zweifel aufkommen, dass sich das Stillsitzen in der nächsten halben Stunde lohnen wird.“ (:70). Dazu führt er drei Möglichkeiten der Strukturierung auf (:71f): die Homilie, die  3-Punkte-Predigt,  die Predigt als Lernprozess (Motivation, Problem, Versuch und Irrtum, Angebot einer Lösung, Verstärkung der Lösung). Der Stoff brauche natürlich eine innere Balance. Schnepper geht nun auf die einzelnen Phasen ein (75f): Anfang (Spannung aufbauen), Konzentration, Schluss (nicht das richtige Ende verpassen). Sätze zu formulieren sei die Aufgabe in Phase 3. Wie genau ein Verkündiger diese Phase angehe sei eine Typfrage (Meditationstyp, Sichtworttyp, Skizzentyp, Satztyp). Schnepper plädiert aber für die wörtliche Ausarbeitung, weil sie dazu zwänge, die Worte zu durchdenken, dazu den Sprachschatz erweitern könne und später auch Rückgriffe auf das Manuskript erlauben würde. Aufschreiben sollte man wie man spräche (:81f): kurze Sätze, viel Verben, aktiv statt passiv, keine Angst vor Wiederholungen, persönliche Anrede, besser ich als man und wir, konkret werden, vitale Verben gebrauchen, Herzwörter wählen und freundliche Worte finden. Schließlich müssen die Gedanken in Phase 4 meditiert werden. Dies muss mit dem Herzen geschehen, durch Innerung und Erinnerung (:89f). Das Erinnern lernen besteht aus fünf Wegen: laut lesen und hören, Gedanken ordnen, Bilder vorstellen, Vorgänge erspüren und dem Durchspielen. Damit habe man sich ein Standbein geschaffen. Live auf der Kanzel käme nun das Spielbein zum Einsatz (:94). In Phase 5 hieße es daher in Aktion zu treten. Zuwendung zum Hörer sei dabei das A und O: zugewandt anschauen, zugewandt lächeln, zugewandte Hände, wenn möglich: aufeinander zugehen, zugewandt sprechen. Die Sprechgeschwindigkeit möge den Inhalten angepasst werden. Auch wenn das Improvisieren anfänglich oft als Sprung ins kalte Wasser empfunden würde (:99f), sei es im Alltag der Menschen gar nicht unüblich. Neben der sprachlichen Improvisation gäbe es auch die inhaltliche Improvisation, die während einer freien Predigt durch den Geist Gottes entstehen könne (:102).

Kapitel 5 handelt nun über den Predigt-Prozess (103f): Konzentration, Countdown, Konsolidierung auf der Kanzel, Weitung des Gesichtskreises, das Abstellen von inneren Störungen, das Erkenn von äußeren Störungen, das Erzeugen eines Gemeinschaftsgefühls. Schließlich käme der Gipfelsturm. Dabei solle aber keine Perfektion angestrebt werden. „Der Prediger darf sich versprechen, er darf stocken, auch grammatikalische Fehltritte werden verziehen. Das macht ihn menschlich.“ (:109)

Schließlich gelte es (Kapitel 6) ein Meister der freien Predigt zu werden. Dazu bringt Schnepper jetzt abschließend Spurgeon‘s zehntes Kapitel aus ‚Ratschläge für Prediger‘ auf den Seiten 110-120. Kann man machen. Auch Spurgeon ist für eine gründliche Vorbereitung (:111). „Wer die Fähigkeit haben möchte, in besonderen Fällen aus dem Stehgreif zu reden, muss sich für gewöhnlich gut vorbereiten.“ (:113) Schließlich wünscht Spurgeon den Verkündigern Mut, der vom Herrn kommt (:118f).

Fazit: Eindeutig lesenswert. Unabhängig ob man Schneppers Ansatz der freien Predigt übernimmt, bietet das auch Inspiration für neue und erfahrene Prediger, weil es einmal mehr Dinge für die Predigtvorbereitung und den Predigtvortrag betont, die man sich immer wieder neu als Verkündiger ins Gedächtnis rufen sollte.

Rezension und Zitate: Harmlos. Kraftlos. Ziellos. Die Krise der Predigt und wie wir sie überwinden

Eickhoff harmlosEickhoff, Klaus 2009. Harmlos, Kraftlos, Ziellos. Die Krise der Predigt – und wie wir sie überwinden. Witten: R. Brockhaus im SCM-Verlag.

Pfarrer Klaus Eickhoff hat ein Buch zur Krise der Predigt geschrieben. 460 Seiten sind es geworden und es ist gleichzeitig seine Doktorarbeit. Wie man von ihm erwartet, ist es recht deutlich, manchmal polemisch und auf jeden Fall sehr anregend. Sein Blick richtet sich eher auf die Volkskirche, aber Freikirchlier profitieren auch sehr von dem Buch. Es ist ein Buch, das Verkündiger für ihre eigene Verkündigung inspiriert.

  • In Teil 1 behandelt er die Wahrnehmung zur Situation der Predigt: Der Anspruch, Die Wirklichkeit, Die Nöte hinter der Wirklichkeit.
  • In Teil 2 geht es um den biblischen Befund zum Predigen: Die Sendungen Gottes, Das Ziel der Sendung Jesu: Um Gottes Willen Verlorene Retten, Biblische Verkündigung im Zeichen der Sendung.
  • Der 3. Teil ist dann eine Folgerung: Predigen als Sammlung zur Sendung. Eickhoff plädiert für einen erneuerten Predigtdienst, für Predigt als Segnungsrede und für das sendungsorientierte Predigen.

Eickhoff schreibt viel über die Predigt, aber sein Buch enthält auch viele Anregungen zum Gemeindeaufbau und zur gabenorientierten Mitarbeiterführung. Das Buch ist bissig, aufrüttelnd und inspirierend.

Ich habe im Anhang die für mich wichtigsten Zitate festgehalten:

Erschienen: Mein Buch über Christian Leadership

Ein ungewöhnlicher Ansatz, pastorale und historische Theologie miteinander zu verknüpfen und auf ethisch-theologische Fragestellungen zu beziehen. Der vorliegende Band kann ein Impuls sein, diese Fragen pastoraler Verantwortung für die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zu reflektieren.

Pastor Reinhard Assmann
Cover vorder final

Ich freue mich sehr, dass mein Buch über Arnold Köster erschienen ist.
Arnold Köster war einer der sehr wenigen freikirchlichen Pastoren, die während der NS-Zeit mutig von der Kanzel gegen die unmenschlichen und  antichristlichen Unarten der NS-Ideologie gepredigt hat. Er leitete durch Verkündigung und hielt seine Gemeinde auf Kurs. Ich vergleiche sein Handeln mit huetigen pastoralen Leitungsmodellen und arbeite besonders den prophetischen Aspekt von Leitung heraus.


Das Buch kann bei BoD oder Amazon oder auch in jedem Buchhandel für günstige 9,90€ versandkostenfrei bestellt werden. Außerdem erscheint bald eine eBook-Ausgabe.
Ich danke dem Oncken-Archiv Elstal, die das Buch als Band 8 der renommierten Schritenreihen “Baptismus-Dokumentation” veröffentlicht haben.

 

 

Rezension & Zitate: Predigtlehre (Rudolf Bohren)

Bohren Predigtlehre„Auch das Machbare ist zu bedenken. Predigten werden >gemacht<, sonst bedürfte es keiner Predigtlehre. Aber Predigen ist mehr, als wir machen können. Techniken und Rezepte sind nie irrelevant, aber sie sind auch nie Göttinnen, deren Kult den dürren Feldern der Homiletik neue Fruchtbarkeit verheißt: Fruchtbarkeitszauber ist auch im Gewande der Rationalität ein fauler Zauber! – Die Spannung zwischen dem Machbaren der Predigt und dem nicht herzustellenden Wunder ist nicht aufzulösen“ (Bohren 1980:32).

Die Predigtlehre von Rudolf Bohren gilt als der Klassiker der Homiletik. Bohrens Werk ist in fünf Teile unterteilt, die insgesamt 32 Paragraphen enthalten:

  1. Anläufe
  2. Das Woher der Predigt
  3. Die Zeitformen des Wortes: Erinnerung – Verheissung – Gegenwart
  4. Der Prediger
  5. Der Hörer

Ich habe in der angehängten pdf die für mich wichtigsten Zitate festgehalten, auch mit dem Ziel andere Verkündiger zu inspirieren. Es sind 16 aus dem 592-seitigen Buch.

Vier Webzitat-Anlagen mit Zitaten von Arnold Köster

Webbzitat-Anlagen: Arnold Köster
Zur allgemeinen Verwendung freigeben. Bitte als Quelle angeben:
Claesberg, Veit 2017. Titel der jeweiligen Zitatanlage. Angabe der URL. Abrufdatum.

Hier veröffentliche ich folgende Zitat-Anlagen:

Gutes Zitat Nr. 41 / Brilliant Quote No. 41

Martin Luther King press conference 01269u edit“Predigen ist für mich ein dualer Prozess. Einerseits muss ich versuchen, die Seele eines jeden Einzelnen zu verändern, damit sich die Gesellschaft verändern kann. Andererseits muss ich versuchen, die Gesellschaft zu verändern, damit sich jede einzelne Seele verändern kann. Darum muss ich mir über Arbeitslosigkeit, Slums und wirtschaftliche Unsicherheit Gedanken machen”.

“Above all, I see the preaching ministry as a dual process. On the one hand I must attempt to change the soul of individuals so that their societies may be changed. On the other I must attempt to change the societies so that the individual soul will have a change. Therefore, I must be concerned about unemployment, slums, and economic insecurity”.

Martin Luther King Jr., aus Clayborne Carson 2001, The Autobiography of Martin Luther King Jr., Seite 19