Erfahrungen aus der Jugendarbeit Teil 4: Die Rollen des Jugendleiters/der Jugendleiterin

Dies ist der vierte und letzte Blog-Artikel in dieser kleinen Serie, geschrieben für Jugendleiter/innen mit Tipps aus meiner Erfahrung in der christlichen Jugendarbeit. Hier findest du:

Als Jugendleiter/in, Jugendpastor/in oder Jugendreferent/in hast du im Rahmen deiner Aufgabe verschiedene Rollen, die du bewusst einnehmen kannst oder mit denen du sogar spielen kannst. Ich ziehe im Artikel Parallelen zum Fußball.

Sicher ist: unter Corona-Bedingungen kommt noch eine weitere Rolle dazu: Notfallmanager! Vieles wird aber auch “oben” entschieden, also von der örtlichen Gemeindeleitung her vorgegeben. Unter diesen Rahmenbdingungen gilt es dann die Gruppe zu steuern.

Zum einen bist du Trainer/in.
Die Jugendgruppe ist wie “die Mannschaft”. Sie soll geistlich fit gemacht werden. Aus Noch-nicht-Nachfolgenden sollen Nachfolgende von Jesus werden. Diese gilt es dann als Jüngerinnen und Jünger zu trainieren. Das geht natürlich nur mit “Spielern”, die auf so ein Training Lust haben. In einer Jugendgruppe finden sich ganz sicher solche Jugendlichen. Aber es gilt auch, andere Jugendliche nicht mit dem Trainingsprogramm zu überfordern. Daher wirst du verschiedene Trainingseinheiten und Übungen anbieten müssen, die die individuelle Situation der einzelnen Jugendlichen berücksichtigt. Lange Lobpreiszeiten zum Beispiel sind immer für einen Teil einer Gruppe toll. Leute, die Jesus nicht nachfolgen und zur Gruppe gehören oder die Jesus nicht so sehr durch Musik und Gesang begegnen, brauchen aber andere Angebote. Hier bist du gefordert die richtigen Angebote zu schaffen, bei begrenzten Mitarbeiterressourcen.

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Foto: TheDigitalArtist, pixabay.com

Zum einen bist du Manager/in.
Es kann sein, dass du als Jugendpastor/in für den ganzen Bereich der jungen Generation in deiner Gemeinde zuständig bist. Dann willst du wissen, wie es im Kindergottesdienst oder der Sonntagschule läuft. Wie die Eltern erreicht werden. Was die Jungschararbeit leistet oder hast die Idee eine Pfadfindergruppe zu installieren. Vielleicht managst du die Übergänge zwischen Kindergottesdienst und Biblischem Unterricht oder von der Jungschar in die Teengruppe und von da aus in die Jugendgruppe. Du reportest der Leitung, wie es im gesamten Bereich der jungen Generation in deiner Kirche läuft.
Auch wenn das nicht deine Aufgabe ist, musst du Kontakt zu den anderen Gruppen halten. Eine Jugendgruppe ist ja Gemeindejugendarbeit und steht im Kontext einer Ortsgemeinde.

Manchmal bist du Kapitän/in.
Besonders bist du es dann, wenn du mit älteren Jugendlichen zusammen bist. Mit zunehmenden Alter deiner Gruppenteilnehmer geht es darum Verantwortung zu übertragen, die Teilnehmer in die Verantwortung zu bringen, Partizipation zu leben und zu ermöglichen oder zu empowern. Du bist als Jugendleiter/in ja auch Teil der Gruppe. Du spielst mit und hast eine Aufgabe auf dem Spielfeld zu erledigen. Als Kapitän gibst du den Takt vor. Vieleicht bist du auch mitspielender Trainer (Spielertrainer), wie es sie öfters mal in Amateurfußball gibt.

Ich glaube es ist wichtig alle Rollen zu kennen und jeweils in die angemessene Rolle zu schlüpfen, die für die Gruppenphase und den Gemeindekontext angemessen ist.

Flyerbild GD KonzeptLetztlich geht es dabei immer um die geistliche Leitung (Steuerung) der Gruppe. Die geistliche Leitung steuert den geistlichen Kurs, aus unterschiedlichen Positionen heraus mit dem Ziel Jugendliche für Jesus zu gewinnen oder ihnen zu helfen Jesus ähnlicher zu werden.

Gutes Zitat Nr. 50 / Brilliant Quote No. 50

„Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muß.“

“Everything great in our world happens because someone does more than he has to do.”

Hermann Gmeiner (1919-86), österreichischer Sozialpädagoge, Gründer der SOS-Kinderdörfer)

Steuerung und Vorstehen – die zwei Hauptaufgaben geistlich-pastoraler Leitung

SDC14629aDiese Ausarbeitung ist im Januar 2018 als gröbere Vorarbeit zum 2. Kapitel meiner Masterarbeit „Der pastorale Leiter als Prophet – der Baptistenpastor Arnold Köster (1896-1960) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ entstanden.

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung
2. Geistliche Leitung ist vom Heiligen Geist beeinflusst
3. Geistliche Leitung übt Einfluss aus
4. Geistliche Leitung verfolgt den Aufbau der Kirche zum Heil der Welt
5. Geistliche Leitung geschieht von den Charismen her steuernd (navigierend) und vorstehend
5.1. Der Kybernet: Das navigierende (steuernde) Leiten
5.2. Der Vorsteher – Das veramtlichte Leiten
6. Verschiedene Amtsbezeichnungen im NT für Leiter
7. Leitung geschieht im Team mit Teamleiter
7.1. Leitung ist die Aufgabe von mehreren Menschen
7.2. „Ältester“ als Oberbegriff für Leiter im NT
7.3. Der Kybernet sollte das Team leiten
8. Definitionen geistlich-pastoraler Leitung
9. Der Bezug zu Arnold Köster
Literatur

Gutes Zitat Nr. 49

IMG 5192a„Jede Entscheidung zielt darauf ab, einen unklaren Zustand zu beenden. Es geht um Klärung, um ‚Entschiedenheit‘. Sie treffen eine Auswahl. Dabei werden Alternativen, die eben noch im Bereich des Möglichen lagen, verworfen … Mit einer Entscheidung legen Sie sich fest und sorgen für Eindeutigkeit. Das ist eine ganz zentrale Leistung von Entscheidungen. Dadurch werden Sie entlastet. Über Alternativen, die Sie nicht gewählt haben, brauchen Sie nicht mehr nachdenken.“

Matthias Nöllke
in “Entscheidungen treffen. Schnell, sicher, richtig.”, Seite 7

Über das Leiten

PodcastlogoEine Predigt über eines meiner Lieblingsthemen:

  1. Einleitung: Lust zu leiten
  2. Wir brauchen Leitung
  3. Die Leitung in der Gemeinde: Liebe, Haltung, Begabung
  4. Du bist dran!
  5. Fördere Leitung um der Mission willen

Rezension von Dr. H. C. Rust über das Buch “Der pastorale Leiter als Prophet”

Arnold KösterPastor Dr. Heinrich Christian Rust hat mein Buch rezensiert. Dafür danke ich ihm herzlich:

Veit Claesberg: Der pastorale Leiter als Prophet. Der Baptistenpastor Arnold Köster (1896-1960) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Baptismus-Dokumentation 8. Oncken-Archiv Elstal. Elstal 2018 274 S.

Arnold Köster (1896-1960) verstand sich als „Wächter“, als „Verkündiger des prophetischen Wortes“ und als Gemeindepastor. Er wird auch als einer der schärfsten freikirchlichen Kritiker während der Zeit des Nationalsozialismus gesehen.

V.Claesberg legt in seiner sorgfältigen und umfassenden Arbeit nach den historischen Darstellungen von F.Graf –Stuhlhofer (2001) und der vergleichenden Studie von P.Spanring (2013) erstmals eine Untersuchung zu Kösters pastoral-prophetischer Leitung vor. Der Autor sichtet dabei 430 Predigtkonzepte und –mitschriften und weitere Veröffentlichungen von Arnold Kösters, der weit über den Raum der Wiener Baptistengemeinde Einfluss nahm. Köster selber verstand sich nicht als Prophet, ihm wurde aber ein prophetisches Mandat zugesprochen, z.B. im Nachruf von Hans Luckey. Der Baptistenpastor verankerte seinen prophetischen Wächterdienst in dem prophetischen Amt der Gemeinde Jesu Christi. Hier sah Köster sich mit der Gemeinde in der Tradition der alttestamentlichen Propheten, die eine Geschichtsschau vermittelten. Ganz in der Tradition einer heilsgeschichtlich orientierten Theologie lag der Akzent auf einer eschatologischen Deutung der Gegenwart. Seiner Auffassung nach wolle die Christenheit „an eschatologischen Dingen vorbeikriechen“ (S.148). Dagegen gelte es, die Reichs-Gottes-Sicht der Schriften aufzunehmen. „Wie einst Jesaja, so steht auch heute Br. Köster vor Gott, und wie Mose vor Gott stand und redete, so haben auch wir zu stehen und zu reden.“-„ Wir sind keine Propheten, aber wir haben in dem Bibelbuch das prophetische Wort, das uns nötigt, auf die Zeichen der Zeit zu achten.“ ( S.163)

Claesberg fokussiert seine Köster Dokumentation auf die Frage nach dessen Leitungs-und Prophetieverständnis. Dabei setzt der Autor diese in Beziehung zu einigen pastoraltheologischen Zuordnungen (R. Bohren, H-J. Kraus, K. Eickhoff, R.Hoburg, J. Reimer, E.Haubeck u.a). Er unterscheidet zwischen der Dimension, der Aufgabe, der Funktion oder dem Amt der Prophetie nach Epheser 4,11, und geht nicht von der Einzelperson, sondern gleich Köster von der Gesamtverortung des prophetischen Amtes in der Gemeinde Jesu aus. Claesberg : „ Pastoral-prophetische Leitung- vorwiegend in Form der Verkündigung- dient der Kirche zur konkreten Ermutigung und ist das notwendige Sprechen eines Verkündigers in die für die Gemeinde aktuelle Gegenwart durch die Auslegung biblischer prophetischer und eschatologischer Texte mit durchaus politischer Dimension, um die Gemeinde auf Kurs zu halten.“ (S. 55). Eine solche Leitung sollte allerdings im Team geschehen, was bei Kösters nicht erkennbar ist. Claesberg räumt ein, dass Köster zwar als leitender Pastor und Kybernet der Gemeinde eine Sprecherfunktion wahrnahm, redet allerdings auch vom „Köster-Paradoxon: Kein Prophet und doch einer“ (S.177). Die Spannung entsteht, da Köster selber die Verankerung der prophetischen Dimension auf die Lehre und Deutung alttestamentlicher und neutestamentlicher Prophetie konzentrierte. Damit wurde quasi das für Prophetie grundlegende Offenbarungselement auf die Deutung und Auslegung- sprich Verkündigung in Wort und Schrift- reduziert. – Die Studie von V. Claesberg stellt diese Ausgangssituation immer wieder dar, aber legt keinen Diskus zum Prophetieverständnis, bzw. zu einer charismatisch orientierten Auslegung von Epheser 4,11 (Fünffältiger Dienst) vor. Es gelingt Claesberg hingegen hervorragend, die historischen Forschungen zu Köster zu ergänzen und zusammenzustellen. Inwiefern Köster sich selber als „Biblizist“ verstand, geht aus der Studie nicht eindeutig hervor, jedoch die Betonung der typologischen Auslegung der biblischen Propheten. Köster wird vorgestellt als ein Mann der Verkündigung, eine Stimme des Widerstandes gegen menschliche Ideologien.

In der Zusammenfassung nimmt Claesberg nur kurz auf die kritischen Stimmen in der Kösterforschung Bezug, die in der Betonung der Wiederkunft Jesu bei Köster gleichsam eine lähmende Auswirkung auf die Evangelistation, Diakonie und Ethik ausmachen. „Die Gefahr des Rückzugs aus der Welt war bei Kösters Predigtweise sicher gegeben.“( S.234). Köster, der Hitler als einen antichristlichen Typus verurteilte, war ein Warner und Wächter und er leitete die Gemeinde zum Widerstand zu einer solchen ideologischen Vereinnahmung an. Jedoch betrat Köster keine weiteren Stufen des aktiven Widerstandes; er war „judenfreudlich“, aber forderte in seinen Predigten nie dazu auf, die Judenverfolgung einzustellen. Warum der Einfluss Kösters im deutschen Baptismus sich in Grenzen hielt, kann nur vermutet werden.

Die acht Kapitel umfassende und sorgfältige Forschungsarbeit von Claesberg lädt ein, die Stellung der Freikirchen im nationalsozialistischen Unrechtssystem noch genauer zu betrachten und die Motive zum Widerstand differenzierter wahrzunehmen. Sie ist zugleich ein wertvoller Impuls für pastorale Verantwortung in aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Dr. Heinrich Christian Rust

Frühjahr 2019