Gastbeitrag von Ulrich Müller: Verbeugung vor Arnold Köster

Ein Gastbeitrag von Ulrich Müller:

13. November 1933 im Berliner Sportpalast: Auf einer Versammlung der „Deutschen Christen“ fordert Gauobmann Reinhold Krause vor etwa 20.000 Zuhörern, das gesamte Alte Testament aus der Kirche zu verbannen. 500 Kilometer weiter südlich lebt und arbeitet dagegen ein Mann, der den ersten Teil der Bibel als hochaktuelle Lektüre empfindet. Gerade die prophetischen Schriften des Alten Testaments sind für ihn konkretes Wort des lebendigen Gottes in die aktuelle Zeit hinein. Dieses Reden Gottes schenkt ihm Orientierung und hilft ihm lange vor dem Anschluss Österreichs, die vom Nationalsozialismus vergiftete Epoche richtig einzuordnen und mit öffentlich geäußerter Kritik die ihm anvertrauten Menschen auf Kurs zu halten. So etwas nennt man die Gleichzeitigkeit des Ungleichen.

Der beherzte Kritiker des Nationalsozialismus war der Wiener Baptistenpastor Arnold Köster (1896-1960); ein Mann, der „prophetischen Widerstand“ lebte. Veit Claesberg, Pastoralreferent der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Wiedenest, hat diesen immer noch weitgehend unbekannten Widerständler zum Gegenstand seiner Abschlussarbeit in Christian Leadership gemacht. Für Die Gemeinde 10/2019 habe ich mich auf einer Seite mit seinem Buch “Der pastorale Leiter als Prophet” auseinandergesetzt.

Vom prophetischen Wort der Bibel her abgeleitet – meist in typologischer Auslegung – entlarvte Köster öffentlich in Predigten und Artikeln den nationalsozialistisch dominierten Zeitgeist. Deutlich prangerte er etwa die Judenverfolgung an. Kösters Widerstand blieb nicht nur bei Worten: Wie selbstverständlich taufte er auch Juden und schenkte ihnen in der Wiener Gemeinde Heimat. In der Gemeinde akzeptiert er weder Parteiabzeichen noch Judenstern. Mehrere Gestapo-Verhöre waren die Folge dieses Widerstands.

Claesberg arbeitet sehr überzeugend heraus, wie Köster unter risikoreichen Bedingungen prophetisches Leitungshandeln lebte. Er konnte seine Gemeinde durch die Auslegung von prophetischen Texten und anhand biblischer Orientierungsmaßstäbe durch schwierige Zeiten steuern. Damit ist Köster ein Vorbild für heutige Verantwortungsträger. Veit Claesbergs Buch ordnet Kösters Handeln nachvollziehbar aus seinem Bibel- und Leitungsverständnis ab und kontrastiert sein Verhalten mit dem Kurs des „offiziellen“ Baptismus, dem die Maßstäbe damals leider etwas verrutschten – was Kösters Haltung umso beeindruckender macht.

Es stimmt nachdenklich, anhand von Claesbergs Analysen nachvollziehen zu können, wie die Bibelkenntnis bei Köster zu einer Einordnungskompetenz führt: „Das prophetische Wort […] bewahrt mich davor, meine Hoffnung auf Erlösungsprogramme irdischer Größen zu setzen“. Köster wirkt im Rückblick tatsächlich, Claesberg bringt es treffend auf den Punkt, selbst wie ein alttestamentlicher Prophet. Nach Stalingrad kommt es ihm auch so vor, als sitze er wie Jeremia „auf den Trümmern Jerusalems“.

Die Lektüre von Claesbergs Buch lohnt sich insbesondere für Leiter. Kösters Beispiel motiviert, Gottes zeitgebunden gesprochenes Wort mutig und konkret auch auf aktuelle Situationen anzuwenden. Claesberg macht klugerweise aber auch die Gefahren allzu naiver Übertragung biblischer Texte in das Hier und Jetzt deutlich.

Hier die technischen Daten: Veit Claesberg: Der pastorale Leiter als Prophet: Der Baptistenpastor Arnold Köster (1896-1960) im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Baptismus-Dokumentation Band 8, herausgegeben vom Oncken-Archiv Elstal, Norderstedt 2018.  ISBN: 9783748117155, Paperback, 276 Seiten, 9,90 €

Quelle: http://ulrichmueller.blogspot.com/2019/05/verbeugung-vor-arnold-koster.html

Neue Episode online: Muttertag: Eltern ehren – Kinder prägen

Muttertag: Eltern ehren – Kinder prägen

Anlässlich des Muttertages (2018) gibt es in der EFG Derschlag einen Familiengottesdienst. Ich nehme ihn zum Anlass um über zwei Aspekte des Verhältnisses zwischen Kindern und Eltern zu sprechen: 1. Die Eltern ehren. 2. Die Kinder in der Furcht des Herrn zu erziehen.

1. Einleitung: Mütter (Me)
2. Eltern und Kinder prägen die Gesellschaft (We)
3. Gott will, dass wir Eltern ehren und Kinder prägen (God)
4. It’s your turn: Ehre und präge! (You)
5. Wir machen den Unterschied (We)

Rezension und Zitate: Harmlos. Kraftlos. Ziellos. Die Krise der Predigt und wie wir sie überwinden

Eickhoff, Klaus 2009. Harmlos, Kraftlos, Ziellos. Die Krise der Predigt – und wie wir sie überwinden. Witten: R. Brockhaus im SCM-Verlag.

Pfarrer Klaus Eickhoff hat ein Buch zur Krise der Predigt geschrieben. 460 Seiten sind es geworden und es ist gleichzeitig seine Doktorarbeit. Wie man von ihm erwartet, ist es recht deutlich, manchmal polemisch und auf jeden Fall sehr anregend. Sein Blick richtet sich eher auf die Volkskirche, aber Freikirchlier profitieren auch sehr von dem Buch. Es ist ein Buch, das Verkündiger für ihre eigene Verkündigung inspiriert.

  • In Teil 1 behandelt er die Wahrnehmung zur Situation der Predigt: Der Anspruch, Die Wirklichkeit, Die Nöte hinter der Wirklichkeit.
  • In Teil 2 geht es um den biblischen Befund zum Predigen: Die Sendungen Gottes, Das Ziel der Sendung Jesu: Um Gottes Willen Verlorene Retten, Biblische Verkündigung im Zeichen der Sendung.
  • Der 3. Teil ist dann eine Folgerung: Predigen als Sammlung zur Sendung. Eickhoff plädiert für einen erneuerten Predigtdienst, für Predigt als Segnungsrede und für das sendungsorientierte Predigen.

Eickhoff schreibt viel über die Predigt, aber sein Buch enthält auch viele Anregungen zum Gemeindeaufbau und zur gabenorientierten Mitarbeiterführung. Das Buch ist bissig, aufrüttelnd und inspirierend.

Ich habe im Anhang die für mich wichtigsten Zitate festgehalten:

Predigtkonzept: Nehemia 1 (Einführungspredigt des Jugendreferenten)

Einführungspredigt für M. / vorbildlich: Nehemia
Nehemia 1,1-2,10

Ich gebe M. Impulse für seinen Dienst in der Gemeinde mit, die gleichzeitig und exemplarisch für alle Jünger im Reich Gottes inspirierend sind.

A. Einleitung
B. Hintergrund und historischer Kontext zu Nehemia
1. Sei betroffen und zeige es! / Neh 1,1-10
2. Sei mutig und provoziere Gelegenheiten! / Neh 1,11-2,1-4
3. Gewinne ein Zukunftsbild und bete dafür! / Neh 2,5-10
Exkurs: Deine Familie
C. Conclusion

Gibt es auch als Podcast-Episode.

Summary of My New Book: The Pastoral Leader as a Prophet – The Baptist Pastor Arnold Köster (1896–1960) in Opposition to the Nazis

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But attention: It is written in German language. Here is a short summary in English:

The Pastoral Leader as a Prophet
The Baptist Pastor Arnold Köster (1896–1960) in Opposition to the Nazis

Summary
This book is about the life and leadership of the Baptist preacher Arnold Köster (1896–1960). He is considered one of the sharpest and steadiest NS critics in the Third Reich. During the Third Reich he prophetically proclaimed the word of God while leading his church in Vienna and, at the same time, questioning the Nazi regime.
The work contains a complete account of Köster’s leadership. It presents, for the first time ever, an overall picture of Köster’s understanding of prophecy and discusses more recent models of prophetic-pastoral leadership. Based on quotations from his sermons, it becomes clear that Köster assigned the prophetic office to the entire congregation, but rejected the term “prophet” for himself (Köster’s paradox).
The emphasis here is on Köster in the context of the German Baptist Union and its conduct during the Nazi era. By way of contrast, it is clear that Köster, along with his local fellowship, put up resistance on the subject of church-prophecy.
Finally, with the matter of what today’s leaders can learn from Köster is addressed.

Keywords
Baptists, Union of Evangelical Free Churches, Third Reich, Leadership, National Socialism, Pastor, Prophet, Preacher, Preaching, Resistance