Gemeindestrategie: Braucht eine Gemeinde eine Strategie?

(Erschienen als Artikel für Gemeinde Aktuell – Gemeindebrief EFG Wiedenest – Juni 2014)

Dieser Artikel erklärt die unter uns (in der EFG Wiedenest) gewachsene Jüngerschaftsstrategie (Gemeindestrategie), den GEH4-Weg.
Es ist hilfreich, ihn zu kennen. Jeder, der sich an der Gemeinde finanziell oder durch Zeiteinsatz beteiligt, hat nun die Möglichkeit klarer zu erkennen, was er unterstützt und dass es in einem großen geistlichen Zusammenhang gibt, der Jüngerschaft fördert. Wir können als Gemeinde unsere Aktivitäten jetzt besser beurteilen und prüfen, ob sie zur Umsetzung des Missionsbefehls dienen.

Wortmarke GEH4_mit 4 Worten gross und www

Braucht eine Gemeinde eine Jüngerschaftsstrategie?
Die Antwort ist „Nein!“, denn jede Gemeinde hat schon eine Strategie. Die Frage ist nur, ob sie es weiß – also die Strategie reflektiert hat – oder ob sie einfach Gemeindearbeit „laufen lässt“.
Eine weitergehende Frage ist natürlich, ob eine Gemeinde eine gute Strategie hat, also ob sie der Zeit, dem Kontext und der Bibel entspricht oder ob es sogar eine schlechte Strategie ist. Jesus Christus – unser Herr und Erlöser – hat uns in seinem Wort einen Auftrag gegeben. Er sendet uns (Joh 20,21). Er sagt uns an, dass wir seine Zeugen sein werden (Apg 1,8) und gibt uns den Missionsauftrag, denn es zu erfüllen gilt (Mt 28,18-20). Und einen Auftrag kann man gut oder schlecht erfüllen. Daher macht es Sinn, sich über die Jüngerschaftsstrategie Klarheit zu verschaffen (vgl. auch sinngemäß Lk 14,28 und ergänzend zum Auftrag für Leiter Eph 4,11f).
Weiter bleibt festzuhalten, dass über aller menschlichen Strategie immer das Wirken von Jesus Christus steht. Er ist derjenige, der die Gemeinde baut (Mt 16,18). Und er kann und darf jederzeit jede menschliche Strategie durchkreuzen.
Wir haben deshalb uns als Gemeindeleitung im letzten Jahr aufgemacht, um unsere Strategie neu zu entdecken und zu ordnen. Und auf die Frage, ob das wichtig ist, lautet die Antwort „Ja!“.

Welche Jüngerschaftsstrategie haben wir als EFG Wiedenest?
Uns war die Feststellung unserer Strategie wichtig, weil wir überprüfen wollten, ob wir mit unseren Gemeindeangeboten den großen Missionsbefehl von Jesus – Menschen zu Jüngern zu machen – in Wiedenest, seiner Umgebung und weltweit, erfassen.
Als Gemeinde haben wir ja schon seit längerem eine Vision, bzw. einen Auftrag (wachsen nach innen & außen – zur Ehre Gottes) und unsere „7 Kriterien“ (bewegende Gottesdienste, lebendige Kleingruppen, Verantwortliche Leiterschaft, angemessene Strukturen, liebevolle Strukturen, kontinuierliche Evangelisation, aktive Teilnahme an der Weltmission). Diese Vision leitet uns als Gemeinschaft. Als Gemeindeleitung haben wir die Verantwortung dafür, sie ständig zu überprüfen und im Blick zu haben. Nun haben wir mit der Zusammenfassung unserer Aktivitäten in der Jüngerschaftsstrategie eine Übersicht bekommen, ob das, was wir tun, dazu dient unsere Vision zu erreichen und die Kriterien zu erfüllen.

Beim Zusammenstellen aller Aktivitäten unserer Gemeinde haben wir entdeckt, dass wir uns gemeinsam auf dem Weg befinden. Wir haben diesen Weg als GEH4-Weg bezeichnet. C.L. hat das freundlicherweise in einem Logo verarbeitet.
Jeder der drei Buchstaben steht dafür für einen wichtigen Oberbegriff unserer Gemeindeaktivitäten:GEH4-Weg

  • Das „G“ steht für Gemeinschaft.
  • Das „E“ kommt gleich viermal vor und steht für Erreichen, Entscheiden, Entwickeln und Entsenden.
  • Das „H“ steht für Hilfe.

Wenn man so will, umrahmen das „G“ und das „H“ das vierfache „E“.
Im Einzelnen verbergen sich hinter den Schlagworten eine ganze Menge an Arbeitsbereichen und Aufgaben, die wir unter uns leben.

Gemeinschaft: Als Gemeinde sind wir eine Gemeinschaft. Und Gemeinschaft drückt sich aus in gemeinsamen Erlebnissen, auch als große Gruppe, die sich gemeinsam trifft oder sich immer wieder in neuen, kleinen und altersgerechten Gruppen begegnet. In dieser Gemeinschaft wird Liebe gelebt und an der Liebe werden wir erkannt. Dies kommt besonders in den Kleingruppen und Hauskreisen zum Tragen.

Erreichen: Als Gemeinde wollen wir Menschen mit der guten Nachricht, dass Jesus Sünder liebt und Rettung bringt, bekannt machen. Dies tun wir durch viele unterschiedliche Aktivitäten. Vor allen Dingen durch unser Lebenszeugnis in unserem unmittelbaren persönlichen Umfeld, aber auch durch Angebote wie Mutter-Kind-Kreise, Frauenevents, dem Seniorencafé, dem AK International, Investitionen in unseren Ort, dem Alpha-Kurs, Gottesdiensten im Altenheim, Projektevangelisation und natürlich durch die Gruppenarbeiten im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit und anderen Altersgruppen. Weiter ist auch die Öffentlichkeitsarbeit hier zu nennen.

Entscheiden: Menschen erreichen ist das Eine. Das Andere ist, diese Menschen auch vor die Entscheidung für Jesus Christus zu stellen. Dies tun wir immer wieder in Aufrufen durch Predigten und durch Angebote wie den Alpha-Kurs oder die Taufkurse. Natürlich findet das Erreichen auch durch persönliche Gespräche statt.

Entwickeln: Sind Menschen dann Nachfolger geworden, möchten wir sie in der Jüngerschaft fördern. Das gilt natürlich auch für uns selber, denn der Weg der Jüngerschaft kann viele Jahre dauern. Wir wollen gemeinsam Gott anbeten, stärken uns in Kleingruppen und Hauskreisen, hören auf Gottes Wort in den Gottesdiensten, besuchen Angebote des Gemeindeseminars. Durch das neue Jüngerjahr und das Gabencoaching möchten wir gezielter fördern. Im Rahmen des Kraftwerks und der Kinder- und Jugendarbeit bieten wir auch gezielt der jungen Generation geistliche Entwicklungsmöglichkeiten.

Entsenden: Die Entwicklung dient nicht zuletzt der Entsendung in die Welt und in den Alltag. Dazu gehört unser gelebtes Zeugnis auf der Arbeitsstelle oder in der Schule, die Mitarbeit als Christ in der Gesellschaft oder in der Gemeinde. Wir ermutigen und ermahnen uns, unsere Salzkraft zu erkennen und unsere Strahlkraft auszuleben.

Hilfe: Durch praktische Angebote wird Gemeinschaft und Liebe sichtbar. Wir bieten viel an, was eine geistliche Ausrichtung des Lebens möglich macht, durch Kindersegnungen, Hochzeiten und Beerdigungen. Weiter sind die Seelsorge- und Gebetsangebote unserer Gemeinde zu nennen und nicht zuletzt der Besuchsdienst und die praktischen Hilfsdienste, wovon viele ganz natürlich in persönlichen Beziehungen geleistet werden.

Nicht alle Aktivitäten sind oben aufgezählt worden. In unserer großen Gemeinde passiert noch viel mehr. Und das freut uns sehr.
Gepflastert ist der GEH4-Weg mit infrastrukturellen „Steinen“. Die sind für eine Organisation, die wir als Organismus Gemeinde ja auch bilden, lebenswichtig. Dazu gehören die Finanzverwaltung, der rechtliche Rahmen unseres Gemeindebundes, die Vernetzung mit anderen Gemeinden und Kirchen und die vielen Musikteams unserer Gemeinde, die uns in der Anbetung leiten, sowie die Dienstleistungen unserer Grunddienste und Hausmeister.

Fazit
Was Gott in den letzten Jahren unter uns hat wachsen lassen, begeistert uns. Als Gemeindeleitung und erweiterte Gemeindeleitung haben wir die Übersicht beraten und auf dem Mitarbeiterempfang im Januar zum ersten Mal vorgestellt. Wir haben den Eindruck, dass wir eine gute und angemessene Strategie haben, die sich auch weiterentwickeln darf. Nun haben wir ihr einen Rahmen gegeben. Der Rahmen soll uns deutlich machen. Wir sind gemeinsam auf dem GEH4-Weg – zur Ehre Gottes und zum Wohl der Menschen.

für die Gemeindeleitung, Veit Claesberg, Mai 2014

GEH-Weg EFG Wiedenest
GEH-Weg EFG Wiedenest

 

2014.05.31_Braucht eine Gemeinde eine Strategie_Gemeindebrief EFG Wiedenest

Artikel: Das WIR gewinnt

(Leitartikel „Das WIR gewinnt“ aus Gemeinde Aktuell – Gemeindebrief der EFG Wiedenest 3. Ausgabe 2015 – 04.10.2015)

Das WIR gewinnt
Mit diesem Slogan der Aktion Mensch, „Das WIR gewinnt“, war auch die erste Predigt der aktuellen Predigtreihe (09.2015) zum Buch Nehemia überschrieben. Nehemia baut als Statthalter um ca. 440 v. Chr. die völlig zerstörte Stadtmauer Jerusalems wieder auf und eint das jüdische Volk. Er geht voran, ist Vorbild, führt Gottes Auftrag aus und schafft es, dass sich die Jerusalemer als „WIR“ verstehen. Denn nur gemeinsam sind sie stark und können eine völlig zerstörte Stadtmauer in 52 Tagen wieder aufbauen.
Stadtmauern braucht man heute bei uns nicht mehr. Sie hindern den Verkehr und das Wachstum der Stadt. Heute schätzt man Stadtmauern nur noch als kulturelles Erbe.
Aber zur Zeit von Nehemia war eine Stadtmauer enorm wichtig. Nur eine gute Stadtmauer konnte die Bewohner einer Stadt schützen. Das Bedürfnis nach Schutz ist wichtig. Gerade uns Deutschen sagt man nach, dass Sicherheit eines unserer größten Bedürfnisse ist. Damit ist das, was Nehemia um 440 v. Chr. macht, auch für uns heute enorm relevant.
Drei Dinge können wir von Nehemia lernen:

1. Entdecke deine Verantwortung!
Nehemia ist angetreten, um das Bedürfnis seines Volkes nach Schutz zu befriedigen. Er packt es an. Er tritt als Gestalter, als Macher, auf. Dafür braucht ein Mensch eine gewisse Offenheit. Ein Mensch, der Dinge ändert, muss eine Vision haben: die Vision, einen schlechten Zustand in einen guten Zustand zu verändern. Als Nehemia aus weiter Ferne von der völlig zerstörten Stadtmauer seiner Heimatstadt Jerusalem hört, lesen wir: „Als ich das hörte, setzte ich mich nieder und weinte. Tagelang trauerte ich, fastete und flehte den Gott des Himmels an“ (Nehemia 1,4).
Nehemia wird von einer Nachricht getroffen und ist betroffen. Ihn lässt der Zustand seiner Heimatstadt und seines Volkes nicht kalt. Er muss sich hinsetzen. Er verliert die Fassung. Er weint. Er trauert. Aus dieser Trauer wächst das Gefühl der Verantwortung.
Für was spürst du die Verantwortung? Wo gibt es Nöte und Dinge in deiner Umgebung, die unbedingt verändert werden müssten? Das kann in der Familie sein. Das kann in der Nachbarschaft sein. Das kann am Arbeitsplatz sein. Was hast du auf dem Herzen? Wo willst du Not wenden in deiner Umgebung?
Ich wünsche uns als Gemeinde immer wieder diese Betroffenheit. Denn wir haben ja auch eine Vision. Oder besser: eine Mission. Wir sollen der ganzen Welt bekanntmachen, dass es einen lebendigen Gott gibt. Der Zustand unseres Landes und auch unserer Stadt darf uns nicht kaltlassen. Viel zu viele Menschen in Wiedenest, Bergneustadt, Oberberg, NRW, Deutschland und Europa kennen Jesus Christus nicht. Sie leben am Ziel des Lebens vorbei. Sie haben keinen Kontakt zu ihrem Schöpfer und Retter. Das ist eine Notsituation. Wie kann man die Not wenden?
Als Gemeinde sind wir von Jesus Christus in diese Welt gesandt. Wir sollen Menschen von ihm erzählen. Da wo wir sind: alleine am Arbeitsplatz, aber auch als Gemeinschaft. Die „Gute Nachricht“ muss noch von vielen gehört werden. Es ist sehr, sehr schade, dass so viele Leute nichts von Gott wissen. Da liegt in unserer Stadt und in unserem Land noch einiges in Trümmern.

2. Investiere dich in andere und ermutige sie
Nehemia weiß, dass er die Stadtmauer nicht alleine aufbauen kann. Deshalb gewinnt er wichtige Mitarbeiter. In Nehemia 2,18 lesen wir: „Ich erzählte ihnen auch, wie die gütige Hand meines Gottes mir geholfen und was der König mir gewährt hatte. Da sagten sie: ‚Ja, ans Werk, bauen wir sie auf!‘ Und sie machten sich mit Eifer an die Vorbereitungen zu dem wichtigen Unternehmen.“
Ein Gestalter oder Macher braucht immer Mitgestalter oder Mitmacher. Die Aufgabe von Leitern ist es, anderen Menschen Räume zur Entfaltung zur Verfügung zu stellen, sie freizusetzen. Im Englischen nennt man das „Empowering“. Das ist auch die Aufgabe von Leitern in der Gemeinde. Der große Gelehrte Paulus schreibt an die Leiter der Gemeinde in Ephesus, dass es darum geht, Menschen auszurüsten für den Dienst (Epheser 4,11–12).
Auch im normalen Beruf ist das eine wichtige Aufgabe von Leitern. Der Amerikaner Bill George (George 2015) hat ein säkulares Buch über Leiterschaft geschrieben, in dem er Firmenleiter von weltweit tätigen Firmen interviewt hat. Er nennt fünf Dinge, die für Leiter von heute wichtig sind.

  • Echtheit (Authentizität) ist das höchste Gut für einen Leiter.
  • Charakter, Demut und Dienstbereitschaft sind heute wichtiger als Charisma, Image und Stil.
  • Bevollmächtigende Leitung ist „in“ – hierarchische Leitung ist „out“.
  • Leiter feiern die Vielfalt und verstehen, wie man in einer globalen Welt führt.
  • Sie kennen die Bedürfnisse der Gesellschaft und nutzen ihre Firmen auch, um einen Wert für alle zu schaffen.

Natürlich können wir Nehemias Leitungsstil nicht eins zu eins auf das 21. Jahrhundert anwenden, aber vieles von dem, was Bill George über heutige Leiter schreibt, trifft auf Nehemia zu. Wenn du ein Leiter bist, orientiere dich an Nehemia. Egal ob du in einer Firma, einem Verein oder in der Gemeinde leitest. Vor allen Dingen: Bevollmächtige andere Menschen!

3. Gemeinsam sind wir stark
Diese Bevollmächtigung ist auch wichtig, weil wir alleine zu schwach sind. Nehemia konnte nicht alleine die Stadtmauer bauen und wir können nicht alleine die Welt mit der guten Nachricht erreichen. Wir brauchen uns als Gemeinschaft. Wir brauchen die Gemeinschaft, die Gemeinde, die Kirche. Wir alle müssen mitarbeiten.
Als Gemeinschaft müssen wir sagen: „Los jetzt! Ans Werk! Gott ist mit uns! Lasst uns die Welt erreichen.“ Wir brauchen den Gottesdienst, um uns senden zu lassen für die nächste Woche. Um die „Gute Nachricht“ am Arbeitsplatz und in der Familie zu verbreiten. Und ab und zu brauchen wir auch gemeinschaftliche Projekte, um als Gemeinde die Welt zu erreichen.
Gemeinschaft heißt auch: Wenn jemand aus unserer Gemeinden krank ist, dann beten wir Sturm. Wir besuchen. Wir fragen nach. Wir trauern mit, wenn jemand stirbt. Wir freuen uns, wenn Leute heiraten oder 25 Jahre oder 50 Jahre verheiratet sind. Wir beten gemeinsam Gott an. Wir feiern das Abendmahl. Wir bilden eine Gemeinschaft. Wir arbeiten gemeinsam. Wir sind der Körper von Christus, der Body (1. Korinther 12,12–27).
Und wir dürfen uns auch mal von diesem Körper auffangen lassen. Wir dürfen uns unterstützen lassen. Wir dürfen aber auch selbst unterstützen. Unseren Beitrag bringen. Finanziell, durch Mitarbeit, durch Leistung. Und gemeinsam müssen wir den großen Auftrag umsetzen, den Jesus uns gegeben hat.

Ich bin davon überzeugt, dass das WIR gewinnt. Ich glaube an eine starke christliche Gemeinschaft hier im Dörspetal und in den Tälern. Eine Gemeinschaft, die Schutz bieten kann. Eine Gemeinschaft, die trösten kann. Eine Gemeinschaft, die Fremde willkommen heißt. Eine Gemeinschaft, die betet, die an den wichtigsten Stationen des Lebens zusammenhält. Eine Gemeinschaft, die Geld zusammenlegt für gute Werke, die Not lindert und die gemeinsam den großen Auftrag von Jesus umsetzt.
Ich wünsche mir, dass wir das mehr in den Blick nehmen – alle, gemeinsam. Lasst uns unsere Welt, unsere Stadt und unser Dorf mit der guten Nachricht erreichen. Lasst uns von Jesus erzählen. In der Schule und am Arbeitsplatz.
Lasst uns gute Taten tun, damit die Leute anfangen, Gott zu preisen.

2015.09_Das WIR gewinnt_Gemeindebrief EFG Wiedenest

Artikel: Wie es bei uns läuft

Wie es bei uns läuftVon der Zeitschrift „Die Gemeinde“ bin ich gebeten worden, wie wir als Gemeinde missionarisch unterwegs sind. Hier der Artikel:

Wie es bei uns läuft
„Wie läuft es in Wiedenest?“, werde ich oft gefragt. Ich frage dann zurück: „Meinst du das Dorf, die Gemeinde oder das Forum?“ Seit 1986 ist die Gemeinde nicht mehr auf dem Campus der „Bibelschule“. Sie liegt am anderen Ende vom Ort. Forum und Gemeinde sind seitdem auch räumlich getrennte Organisationen. Wir sind zurzeit ca. 370 Mitglieder und haben drei angestellte Gemeindereferenten. Viele Mitglieder arbeiten im Forum Wiedenest. Wir sammeln uns immer wieder und werden in den Alltag gesandt, um da wo wir sind, Zeugen für Jesus zu sein. Und auch um als Gemeinschaft unseren Ort zu erreichen.
Jesus verspricht uns, dass wir seine Zeugen sein werden (Apg 1,8). Wir sind es in einem weit von Jerusalem entfernten oberbergischen Tal. Dort liegt Bergneustadt mit Dörfern wie Wiedenest oder Pernze. Man nennt es das Dörspetal und es gibt weitere Täler mit Dörfern rechts und links. Es ist eine Kleinstadtsituation – in den Vororten eher eine Dorfsituation – in einem relativ erweckten Gebiet. Hier handeln wir als Gemeinde, bis Jesus wiederkommt (Lk 19,13). Wir versuchen, unsere Talente einzusetzen. Wir geben unser Bestes, was nicht immer das Beste ist, aber es ist das, was wir geben können – mit unseren Ressourcen und in unserem Kontext.
Dabei ist uns Erfolg wichtig. Mit Erfolg meinen wir, dass wir Jahr für Jahr den Auftrag Jesu umsetzen (Mt 28,18-20), die Sendung leben (Joh 20,21) also Salz und Licht sind (Mt 5,13f). Gerne soll die Gemeinde dann wachsen und der zahlenmäßige Erfolg erfolgen. Aber das können wir nur fördern und nicht machen.
Wir befinden uns also gemeinsam auf dem GEH4weg. Wir leben Gemeinschaft (G) und bieten konkrete Hilfen (H). Dazwischen liegt gleich viermal das E. Es steht für das ERREICHEN, Entscheiden, Entwickeln und Entsenden von Menschen und dieser Weg ist unsere gewachsene Jüngerschaftsstrategie.

Wie erreichen wir Menschen mit der guten Nachricht? Wie entscheiden sie sich? Wie entsenden wir Menschen, um die Liebe Christi weiterzugeben? Darüber will ich aus unserer Gemeindepraxis schreiben.

1. Wir sagen die Gute Nachricht kontinuierlich weiter
Wir versuchen kontinuierlich zu handeln. Unser Anspruch ist es, dass Menschen, die Jesus nicht nachfolgen, unsere Predigten verstehen und unsere Gottesdienste nachvollziehen können. Wir investieren in unsere Gruppenarbeiten, die alle offen sind, um interessierte Menschen aufzunehmen. Hier investieren wir vor allen in die Jugendarbeit. Es gibt Gruppenangebote für verschiedene Alters- und Zielgruppen. Innerhalb dieser Gruppen finden auch Events statt, zu denen Leute gezielt eingeladen werden, z.B. unsere Frauenfrühstücke oder Konzerte. Wir laden zweimal im Jahr Menschen ein, am Alpha-Kurs teilzunehmen. Und wir laden auch zweimal ganz gezielt dazu ein, den Taufkurs zu besuchen.

2. Wir veranstalten Events und laden gezielt ein
In der letzten Zeit ist es uns wichtig geworden wieder mehr Events zu machen, um den Gemeindemitgliedern die Möglichkeit zu bieten, Menschen gezielt einzuladen. Daher haben wir dieses Jahr das Fotoevent „Gottes geliebte Menschen“ durchgeführt. Alle zwei Jahre planen wir ein Gemeindefesttag, zu der wir die Nachbarschaft einladen. Weiter bieten wir im Rahmen unseres Gemeindeseminars Veranstaltungen an, die für viele Menschen interessant sind: Erziehungsseminare oder Abende zum Thema Demenz. Im November diesen Jahres bieten wir drei aufeinanderfolgende Abende für Paare unter dem Motto „Ehe – Teamsport oder Kleinkrieg“ an und laden die Bevölkerung und Freunde dazu ein. Auch die Konzertarbeit haben wir wieder entdeckt.

3. Wir engagieren uns sozial und in unserer Stadt
Mit anderen Kirchen, Vereinen und Firmen haben wir das Stadtteilnetzwerk Wiedenest/Pernze gegründet. Dieses Netzwerk lädt einmal im Jahr zum Stadtteilgespräch ein. Von dort aus entstehen Projektgruppen. Wir arbeiten z.B. in der Spielplatzgruppe mit und der Wiedenester Spielplatz erhält jetzt attraktive Spielgeräte. Oder wir kämpfen in der Geschwindigkeitsgruppe für eine vernünftige Geschwindigkeitsbegrenzung an der Schulbushaltestelle. Im Arbeitskreis International werden Flüchtlinge besucht und willkommen geheißen. Ein internationales Sommerfest und eine internationale Weihnachtsfeier gehören mit zum jährlichen Programm. Weiter ist eine gute Kinder- und Jugendarbeit natürlich auch ein soziales Angebot. Denn als Gemeinde sind wir ja Teil der Stadt. Deshalb sind wir auch bei der Sozialstiftung Oberberg engagiert, die in Bergneustadt ein Zentrum mit einer Tafel betreibt.

4. Wir machen gezielt Öffentlichkeitsarbeit
Wir haben uns für eine aktive Öffentlichkeitsarbeit entschieden. Dies bedeutet, dass wir eine aussagekräftige und aktuelle Internetseite haben. Wir betreiben einen Predigtpodcast und eine Facebookseite. Im wieder setzen wir gezielte Pressemitteilungen für Print- und Onlinemedien ab und laden zu Veranstaltungen ein.

5. Wir unterstützen konkrete Gemeindegründung
In den letzten Jahren haben wir gezielt Menschen in die Gemeindegründung ausgesandt. In Olpe fördern wir durch entsendete Mitarbeiter den Neustart einer EFG, in Gelsenkirchen die Neugründung und im asiatischen Raum fördern wir die Gründung einer neuen Gemeinde in Vorderasien.

6. Wir entsenden Menschen in ihren Montag
Unsere Gottesdienste sollen Sammlung zur Sendung sein. Nachfolge findet danach an 24h und sieben Tagen die Woche statt. Deswegen soll der Gottesdienst die Menschen ausrüsten, damit sie auch im Alltag Jesus bezeugen können, da wo sie leben und arbeiten.

Das alles versuchen wir in den letzten Jahren. Wir denken immer wieder über Komm- und Geh-Strukturen unserer Gemeinde nach. Wir merken, dass wir vor allen Dingen „A-Menschen“ (Christen) und „B-Menschen“ (an Religion/Gemeinschaft interessierte Menschen) erreichen aber „C-Menschen“, die ganz anders ticken als wir, erreichen wir kaum. Zurzeit haben wir den Eindruck, wir sollten wieder intensiver für unsere Freunde beten. Wir wollen das Thema Evangelisation immer wieder wach halten und haben dafür ein Diakonat gegründet. Das Unterwegssein läuft bei uns.

2015 09_WieEsBeiUnsLäuft_DG_19 15_2

Wenn dich dieses Material inspiriert: Vielleicht willst du dann mit einer Spende das Projekt helpMy unterstützen: helpMy!

Artikel: 10 gute Gründe eine christliche Jugendgruppe zu besuchen

Heute veröffentliche ich einen Artikel, den ich schon mal 2011 im Internet unter diejumis.de veröffentlicht habe. Dieser Artikel wurde von Josh Ritter und mir verfasst und war eine Antwort auf den Artikel „Fünf Gründe eine Jugendgruppe zu verlassen“, von Andreas Fronius.

Es ist Nachmittag. Gerade hat sich der Posteingang gemeldet und die Frage ausgespuckt, ob du heute mit zur Jugendgruppe kommst. Irgendwie hast du gerade nicht wirklich Bock darauf und schon beginnen die Gedanken zu spinnen. Es gibt doch auch echt gute Gründe, etwas anderes zu unternehmen. Kennst du das?
Klar gibt es gewisse Gründe, die die Lust auf Jugendgruppe sehr schnell Richtung Untergrund befördern – ABER …
Wer genauer nachdenkt, findet viele geniale Argumente, die für einen Abend mit der Jugendgruppe sprechen. Genau solche Argumente wollten wir finden.  Also haben wir mal tüchtig in die Runde gefragt und aus den vielen Antworten 10 Stück herausgepickt.

Eins noch vorweg: … mehr im angehängten Artikel …

11.04.06_10 gute Gruende eine christl. Jugendgruppe zu besuchen

Article: A social-missionary awakening …

A social-missionary awakening in the non-traditional Brethren Churches in Germany, using the example of two churches from the first decade of the second millennium
Published under the title: The Development of Community Outreach in Brethren-Background Churches in Germany
by Veit Claesberg, Germany

1. A new desire arises
In the last 5-10 years more and more churches in Germany have the desire to be noticeably relevant as a church for society. At the same time it is observable that the people who are lost, become a bigger priority. The churches want to bring the word of God to the people. To achieve this, they have to satisfy their needs which is why they first proceed to action. This happens without pitting word and deed against each other. This behaviour is based on the greatest command that Christians should love God with all their heart and then love their neighbours as much as they love themselves. The churches want to make a difference in their cities. They want to be the salt of the earth and the light of the world (Matthew 5,16)
I do not dare to talk about an overall trend yet, but there are definitely signs for the beginning of a mini-trend.
The following examples refer to non-traditional Brethren Churches in the Association of Evangelical Free Churches in Germany (www.agb-online.de) …
Read more in the attached article. This article was first published in Partnership Perspectives issue No 50/Summer 2013. 

Perspectives, Partnership UK

„Glaube am Montag“ – in der Ortsgemeinde umgesetzt

Glaube am Montag

Diesen Artikel habe ich für das Magazin „Boxenstop“ geschrieben, das im Rahmen der Initiative „Glaube am Montag“ gerade erschienen ist: 

(c) Fotos by Harald Schuler

Hingehen – und Gottes Liebe leben

Das Jahr 2012 stand in unserer Gemeinde unter der großen Überschrift „Hingehen – und Gottes Liebe leben“. Als Gemeindeleitung hatten wir schon im Jahr 2008 im Rahmen unserer Drei-Jahres-Ausrichtung dieses Thema festgelegt. Glaube am Montag kam uns dazu wie gerufen.

Wir sind eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde mit ca. 350 Mitgliedern und haben unser Gemeindehaus am Anfang des oberen Dörspetales in Wiedenest. In den letzten Jahren haben wir mehr und mehr ein Anliegen für unseren Ort bekommen. Gleichzeitig ist uns wichtig geworden, dass wir als Gemeinde auch ein Ort des Auftankens und der Sendung sind. Und diese Sendung findet jeden Sonntag neu statt. Wir kommen gemeinsam zum Gottesdienst zusammen, beten Gott an, feiern ihn, hören auf sein Wort und werden „zurück“gesandt in den Alltag. Dort sind wir unterwegs als Nachfolgerinnen und Nachfolger und gehen zur Arbeit, sind Nachbarn, arbeiten in Vereinen mit, engagieren uns sozial, machen Sport und sind ein Teil der Gesellschaft. Und genau dieser Gedanke wird durch „Glaube am Montag“ verstärkt.

Natürlich Salz und Licht sein
Wir wollten 2012 unsere Gemeinde mit dem Anliegen durchdringen, dass wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus ganz natürlich Salz und Licht sind – überall, wo wir sind. Wir haben daher keine großen evangelistischen oder diakonischen Aktionen geplant, was ja auch zu unserem Jahresmotto „hingehen“ gepasst hätte. Wir haben uns dafür entschieden, auf der Bewusstseinsebene anzusetzen.

Deswegen wurden verschiedene Predigtreihen anhand von „hingehen“ und Glaube am Montag durchgeführt und vorbereitet, z.B. „hingehen persönlich“, „hingehen als EFG Wiedenest“, „Christsein in der Gesellschaft“ oder wichtige Texte aus der Apostelgeschichte. Somit haben wir den Gedanken, dass wir mitten im Leben Jesus nachfolgen, ein Jahr über Predigten wach halten können. Bei der ersten Predigtreihe im Januar 2012 bekam jeder Gottesdienstbesucher ein Lesezeichen mit Raum für Notizen. Es wurde dazu aufgefordert, Personen und Möglichkeiten im alltäglichen Umfeld zu notieren, um für Gelegenheiten zu beten, den Glauben zu bezeugen.

Glaube am Montag, Lichttafel

Gleichzeitig wurde das ganze Gemeindehaus mit bunten Schuhen dekoriert, die an unseren Auftrag im normalen Leben erinnern. Zusätzlich wurde im Foyer die „Lichtpostkarte“ von unserem Hausmeister als Lichtsäule nachgebaut und mit einer Schalterfunktion ausgestattet. Jeder Besucher kann nun durch Drücken des Schalters „nachsehen“, was Glaube am Montag bedeutet. Gleichzeitig haben wir unser „hingehen“-Jahreslogo mit dem Logo von „Glaube am Montag“ verziert. Und natürlich wurde auch in unserem Gemeindebrief über das Thema geschrieben.

Der Auftrag geht weiter

hingehen 2012

All das haben wir auch 2013 weiter fortgeführt. Denn der Auftrag ist ja nicht vorbei. Wir haben unser Jahr mit einer dreiteiligen Gottesdienstreihe gestartet: Als Jüngerin und Jünger Jesus nachfolgen: in der Nachbarschaft – in der Familie – an der Uni, in der Schule, im Beruf. Für zwei dieser Predigten hatten wir unsere Lichtsäule vorne auf der Bühne stehen und die Lichtpostkarte wurde an jeden Gottesdienstbesucher verteilt.

Die Initiative „Glaube am Montag“ hat also unsere eigene Initiative „hingehen“ bereichert. Das hat uns noch mehr motiviert und unser Anliegen flankiert. Besonders für die Lichter-Postkarte waren wir sehr dankbar. Wir bleiben an dem Thema dran. Weil wir Salz und Licht sind (Mt. 5,16).