Mm17-2: Myanmar? Nie gehört! Zu Besuch im Kindergarten 1

Veit Claesberg, HelpMyanmar, HelpMy e. V.Im Flugzeug vor mir saß ein Pärchen. Es war zum Urlaub nach Phuket (Thailand) unterwegs. Sie fragten mich, wohin wir den unterwegs seien. „Nach Myanmar“, antwortete ich. „Von diesem Land habe ich ja noch nie gehört“, sagte die Frau. So geht es tatsächlich vielen Menschen. Myanmar, oder Birma (Burma) ist vielen unbekannt. Dabei leben dort ca. 50 Millionen Menschen. Davon sind ca. 87 % Buddhisten und 5,6 % Christen. Das Land zählt zu den ärmsten Ländern Asiens und war bis 2011 verschlossen.

Myanmar ist ein sehr schönes und warmes Land, mit sehr freundlichen Menschen. Aber ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze (laut Auswärtigem Amt im Februar 2017). Einer unser Partner vor Ort schätzt den Durchschnittsverdienst auf 70-80 USD pro Monat. Seine eigene Tochter verdient als fertig ausgebildete Ärztin ca. 220 USD im Monat. Nur mal zum Vergleich: Ein vernünftiger Kühlschrank kostet in Myanmar 255.000 Kyat, also ca. 186 USD (Stand Februar 2017). Die meisten Menschen müssten dafür also mal mindestens einen Monat arbeiten.
Und es gibt in der größten Stadt Yangon einige sehr arme Slum-Viertel. Eine birmanische Gemeinde hatte daher 2014 die Idee einen Kindergarten für die Slum-Kinder anzubieten. Doch leider hatte diese Gemeinde selber kein Geld, um diese Arbeit zu stemmen. Durch Kontakte nach Deutschland gewannen sie die EFG Wiedenest, die EFG Bergkamen und einige Einzelspender als Partner, so dass die Arbeit „HelpMy“ gestartet werden konnte. Seitdem sind mit Hilfe von Spendern aus Deutschland (u.a. der 4te Musketier) zwei Kindergärten und eine Gemeindegründung entstanden. Nach 1,5 Jahren war es uns wichtig, diese Arbeit vor Ort zu begutachten und zu besehen. Wir sind mit vier Personen zurzeit in Yangon (drei davon haben ihre Reise privat finanziert).

Besuch von Kindergarten 1
Am Donnerstag haben wir den Kindergarten 1 besucht. Es war ein sehr bewegendes Erlebnis. Der Kindergarten liegt direkt neben einem Mini-Slum, in dem ca. 55 Familien leben. Direkt gegenüber dem Kindergarten ist ein weiterer Slum mit ca. 160 Familien. Und Slum heißt wirklich Slum. Hier einige Bilder:

Durch den Kindergarten bekommen die Kinder aus den Slums eine sinnvolle Beschäftigung. Sie sind täglich für mehrere Stunden „von der Straße“ weg. Sie lernen Lieder, Verse, die ersten Buchstaben und soziales Verhalten. Wir konnten uns mit eigenen Augen vor Ort davon überzeugen, dass die Spendengelder sehr gut angelegt sind und vernünftig und mit größter Sorgfalt verwaltet werden. Das hat uns gefreut. Die Kinder haben ein kleines Programm für uns aufgeführt. Anschließend haben wir uns mit Süßigkeiten bei ihnen bedankt. Auch viele Mütter der Kinder waren anwesend.

Das alles war nur einer von drei großen Zielen dieser kurzen Reise: Wir werden uns noch die Gründung einer neuen Gemeinde (Kirche) ansehen und den im Juli 16 gestarteten Kindergarten 2 besuchen.

Visionen und Ziele für die Arbeit
Wir haben ziemlich viele Ziele für die Arbeit „HelpMyanmar“. Einmal wollen wir sie durch Spenden nachhaltig und dauerhaft finanzieren. So ein Kindergarten ist zwar – für deutsche Verhältnisse – relativ günstig zu betreiben, aber immerhin müssen dafür monatlich ca. 550 € zusammengelegt werden. Das muss erstmal dauerhaft gestemmt werden.
Zum anderen würden wir gerne in weiteren Slums weitere Kindergärten eröffnen. Die Vision ist es 10 Kindergärten, betreiben und in Verantwortung der einheimischen Christen, aber finanziert mit Spendengeldern aus Deutschland, zu betreiben. Deswegen haben wir uns auch gleich noch weitere Slum-Gebiete angesehen, wo die Eröffnung eines Kindergartens wirklich wünschenswert wäre. Wir sind gespannt, ob jemand dafür Spender schickt.

Weitere Hintergründe zu Myanmar:
Myanmar ist ein Land, in der eine Zeitenwende stattfindet. Seit 2011 hat sich das Land immer weiter geöffnet. Eingeleitet wurde der Wandel von der Militärregierung selber. Einigermaßen freie Wahlen fanden dann 2015 statt. Danach kam eine völlig neue Regierung an die Macht, die den Demokratisierungsprozess weiter vorantreibt.
Überall wird gebaut. 2015 eröffnete KFC als erste westliche Fast-Food-Kette eine Filiale. Schon allein daran kann man sehen, dass die westliche Wirtschaft ihren Fuß in der Tür hat.

Ach ja, natürlich haben wir nicht nur gearbeitet. Ein bisschen Sightseeing war auch drinnen.

Mm17-1: Auf dem Weg nach Yangon: Besuch der Kindergärten und Gemeindegründung

Liebe Freunde und Unterstützer,

Ende Februar starten wir mit vier Leuten nach Yangon und besuchen die Kindergärten und die Gemeindegründung. Das wird eine spannende Reise. Wir werden uns mit den Verantwortlichen und der Partnergemeinde vor Ort treffen und die Arbeit besehen.

Das Programm ist recht knackig: Besuch Kindergarten 1, Event in der Gemeindeneugründung am Slum, Besuch von Gottesdiensten in zwei Gemeinden am Sonntag, Treffen mit der Partnerkirche, Besuch von Kindergarten 2, …

Wir freuen uns, wenn ihr an uns – auch im Gebet – denkt!

Liebe Grüße, euer Veit Claesberg

PS: Natürlich werden drei der vier Flüge nicht von den Spendengeldern bezahlt, sondern privat finanziert.

Rezension: Emotionale Führung

Goleman, Emotionale FührungGoleman, Daniel & Boyatzis, Richard & McKee, Annie. 7. Auflage 2012. Emotionale Führung, Berlin: Ullstein

Dieses Buch erschien erstmals in Deutschland 2003. Es knüpft an Golemans Bestseller „Emotionale Intelligenz“ an.  Im Paperback kostet es €9,95. Ich habe es mit Gewinn gelesen.
Es ist natürlich nicht für christliche Werke oder Kirchen geschrieben, denen mein Interesse gilt. Daher glaube ich, dass Organisationen, die eine klare Hierarchie haben und die Emotionale Führung einführen, mit ganz anderen Voraussetzungen an dieses Thema rangehen können, als (evangelische) Kirchen, Freikirchen und Werke, wo oft schon vieles sehr gruppendynamisch und emotional verhandelt wird.

Das Buch ist teilweise langatmig und oft wiederholen sich Grundaussagen. Ich frage mich auch, ob die idealtypische emotional intelligente Führungskraft (ab 299f als Art Zusammenfassung beschrieben) in der Realität so jemals vorkommen wird und empfinde die Beschreibung als unerreichbar. Ich glaube, man kann als Führungskraft aber immer wieder Eigenschaften der Idealbeschreibung erreichen.

Das Buch hat 3 Hauptteile:

Teil 1: Emotionale Führung, behandelt das Wesen emotionaler Führung und wendet es auf ein Unternehmen an. „Da die Ansichten des Anführers besonderes Gewicht haben, steuert er die Haltung der Gruppe. Er gibt vor, wie eine bestimmte Situation ausgelegt wird und lenkt damit auch die emotionale Situation.“ (:28) „Die Kunst der emotionalen Führung besteht darin, Forderungen durchzusetzen, ohne die Leute aus dem Gleichgewicht zu bringen.“ (:32)

Wichtig ist, dass Führung Resonanz erzeugt, also widerhallt (:40). „Ein Vorgesetzter muss auch mit dem Herzen führen – sonst wird er nie mehr als nur ein Manager sein.“ (:41)

Dazu gehört emotionale Intelligenz, wie vier Domänen aufweist: Selbstwahrnehmung (der eigenen Emotionen, Gefühl für das Wichtigste, Intuition), Selbstmanagement (fokussierter Antrieb), Soziales Bewusstsein (Empathie: „Empathie bedeutet nicht, dass Führungskräfte sich von den Gefühlen anderer überwältigen lassen und versuchen müssen, es allen recht zu machen…. Empathie bedeutet viel mehr, die Gefühle … in Betracht zu ziehen und dann intelligente Entscheidungen zu fällen, die diese Gefühle einbeziehen.“ (:75)) und Beziehungsmanagement: Beziehungen effektiv zu managen, bedeutet letztlich nichts anderes, als mit den Emotionen anderer richtig umzugehen.“ (:76). Von da aus werden vier resonante (leistungssteigernde) Stile entfaltet und zwei dissonante Stile. Die resonanten sind der visionäre, coachende, gefühlsorientierte und demokratische Stil. Die vier dissonanten sind der fordernde und befehlende Stil. Dissonante Führungsstile sind spezifisch einzusetzen, sonst vergraulen sie die Mitarbeiter (vgl. Widerling-Paradoxon, ab :110f). Die Stile sind als Repertoire zu verstehen: „Je mehr der sechs Führungsstile eine Führungskraft einsetzen kann, desto besser.“ (:116)

Teil 2: Führungskompetenz entwickeln, behandelt den Weg zu einer resonanten Führungskraft. Dazu gehören Grunderkenntnisse, Motivation und die Metamorphose, um die Führungskompetenzen nachhaltig zu verbessern. Für Führungskräfte ist Feedback wichtig. Jede Führungskraft kann ihren Führungsstil ändern. „Führungskompetenz ist erlernbar, nicht angeboren.“ (:131). Dafür muss man selbstbestimmt leben (:142f) und Motivation für Veränderung an den Tag legen (147f.). Die Autoren nennen nun fünf nötige Erkenntnisse für nachhaltige Veränderung (:145f): 1. Mein ideales Selbst – Wer möchte ich sein? / 2. Mein reales Selbst – Wer bin ich? / 3. Mein Lernplan – Wie kann ich meine Stärken ausbauen und meine Schwächen verringern? / 4. Mit neuen Verhaltensweisen, Gedanken und Gefühlen experimentieren und sie in der Praxis anwenden / 5. Beziehungen entwickeln, die die Veränderung unterstützen. Einige Zitate aus diesem Teil:

 „Wenn Führungskräfte an einen Punkt in ihrer Karriere gelangen, an dem sie praktisch alle Ziele erreicht haben, können sie die Begeisterung für ihre Tätigkeit verlieren. Oft gibt ihnen ein neues Ideal – zum Beispiel einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten – wieder Energie.“ (:159)

„Doch um eine Organisation zu führen, ist eine persönliche Vision nicht genug. Eine Führungskraft braucht eine Vision für die Organisation, die die Mitarbeiter inspiriert und motiviert.“ (:160)

„Das Leben ist ein Labor des Lernens.“ (:177)

„Der vielleicht größte Fehler, den wir beim Festlegen von Zielen machen, besteht darin, dass wir uns auf Aktivitäten versteifen, die sich mit unserem täglichen Leben oder mit unserem Arbeitsstil nur schwer vereinbaren lassen. Ein Aktionsplan muss zur Struktur und zum Rhythmus unseres Lebens passen.“ (:188)

Teil 3: Emotional intelligente Organisationen schaffen, richtet den Blick auf das Team und die Organisation und zeigt auf, wie man nachhaltige Veränderungen bewirken kann.

Anders als bei Einzelpersonen muss bei Teams und Organisationen die Erkenntnis der Realität vor der Erkenntnis des Ideals erfolgen (:216), die Realität kommt vor der Vision. Sonst sind Mission Statements Lichtjahre vom Arbeitsalltag entfernt. „Gruppen beginnen sich erst zu verändern, wenn sie die Realität erkannt haben, besonders, wenn den Mitgliedern der Gruppe klar wird dass sie ihre Arbeitssituation als unharmonisch oder unangenehm empfinden.“ (:216)

„Kurz gesagt sind Gruppen nur dann klüger als Einzelpersonen, wenn sie die Qualitäten Emotionaler Intelligenz aufweisen. Jedes Gruppenmitglied trägt zur Emotionalen Intelligenz der Gruppe bei, doch der Anführer spielt eine besonders wichtige Rolle. Emotionen sind ansteckend, und es ist ganz natürlich, dass die Gruppe auf die Gefühle und das Verhalten des Anführers besonders achtet.“ (:218) Er sollte vor allen Dingen die „Macht der Gruppennormen und die Bedeutung von Gefühlen“ beachten, um die Gruppe emotional intelligent zur Hochleistung zu führen. Und weiter: „Mehr als alle anderen hat der Teamleiter die Macht, Normen zu etablieren und Harmonie und Zusammenarbeit zu maximieren, sodass das Team von den größten Stärken jedes Mitglieds profitieren kann.“ (:228)

Gemeinsam gilt es, mit den Mitarbeitern eine Vision zu entwickeln, die bei der Führungskraft selbst anfängt. „So sieht resonante Führung in der Praxis aus: die Leidenschaft der Menschen wecken und sie mit einer Vision dessen, >was sein könnte<, verbinden“ (:265). Die Schaffung einer resonanten, emotional intelligenten Kultur, vollzieht sich laut den Autoren als Prozess mit drei Abschnitten: 1. die Entdeckung der emotionalen Realität / 2. die Visualisierung des Ideals / 3. die Aufrechterhaltung Emotionaler Intelligenz (:269)

Um Veränderungen in Organisationen zu erreichen, muss der geliebte Status quo überwunden werden, was mutige Führung, Kraft und Engagement kostet. Dabei ist die Kultur der Organisation zu beachten: „Man darf die Kultur nicht ignorieren und man kann sie nicht verändern, indem man einzelne Führungskräfte verändert.“ (:282) Prozesse sind nötig, nicht Programme. Bei Veränderungsprozessen ist der „Verwirrungsfaktor“ unter Kontrolle zu halten, indem man Regeln bricht, aber die Leute dabei nicht verrückt macht (:285).

Die Erzeugung von Resonanz ist die Hauptaufgabe jeder Führungskraft. Dafür ist Emotionale Intelligenz mit ihren Kompetenzen notwendig. „Emotional intelligente Führungskräfte sind in der Lage, ihre negativen Gefühle so weit zu kontrollieren, dass sie das Wichtige nicht aus den Augen verlieren und auch unter Druck noch klar denken können.“ (:301) Sie wissen, wann Zusammenarbeit angesagt ist und wann visionäres Denken nötig ist, wann man zuhört und wann man anordnet. Sie hören auf ihre innere Stimme (:303).

Es folgen noch eine Danksagung und zwei Anhänge. Einer davon ist eine Kurzübersicht über die vier emotional intelligenten Führungskompetenzen: Selbstwahrnehmung, Selbstmanagement, soziales Bewusstsein und Beziehungsmanagement.

pdf-datei: 16-09-_goleman_emotionale-fuehrung

Gutes Zitat Nr. 36 / Brilliant Quote No. 36: Macht

Macht

„Führen ist Macht nutzen, um Menschen zu dienen.“

„Leading is to use power to serve people.“

aus Wright, Walter C., Der Beziehungsfaktor – Mitarbeiterorientiert führen. Ziele gemeinsam erreichen, Gießen: Brunnen Verlag 2003, Seite 245

Neues Predigtkonzept online: Jakobus 4,11-12: Sei kein Afterredner!

AfterredenJakobus 4,11-12: Sei kein Afterredner!

Sei kein Afterredner: Gott ist Richter und Retter und damit steht im allein Gericht zu, weswegen wir kein Recht haben, über andere zu richten oder schlecht zu reden.
Ich stelle zuerst das Gericht und die Rettung Gottes vor, mache Jesus groß und leite dann auf die Beziehung untereinander über. Ich erarbeite, dass es Grenzen des übereinander Redens gibt, die wir nicht überschreiten dürfen. Gleichzeitig mache ich deutlich, dass Ermahnung und Ermunterung aber wichtig sind: Wertschätzung eben.

1. Einleitung mit Textlesung: Schöne Sprache
2. Schlecht übereinander reden und verurteilen – was gemeint ist
3. Was nicht gemeint sein kann
4. Woran wir erkennen können, ob wir Afterredner sind
5. Lass das Afterreden, weil Jesus dein Retter ist
6. Abschluss und Überleitung zum Abendmahl

Die Predigt gibt es auch als Podcast.

Und hier gibt es das Konzept als pdf-Datei: jak-411-12_afterreden_predigt-efg-wiedenest_03-03-2013