Rezension: EKD-Studie “Kirche und Jugend”

EKD Studie, Kirche und Jugend – Lebenslagen – Begegnungsfelder – Perspektiven, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2010
3,5 von 5 Punkten

Vorab: Diese Studie gibt es hier als Downlaod: http://www.ekd.de/download/kirche_und_jugend.pdf

Ein Lob für die Evangelische Kirche, denn sie denkt über ihre Jugendarbeit nach. Gemeint ist damit die Altersgruppe zwischen 12-25. Dieses Buch erschien im Jahr 2010 und ist eine Handreichung des Rates der EKD.
Zunächst wird die aktuelle Herausforderung der Kirche und der Jugend geschildert. Anschließend werden jugendliche Lebenslagen gut skizziert. Danach wird deutlich, dass Jugendliche an vielen Stellen in der Kirche vorkommen und mitgestalten.
Es lohnt sich dieses Buch zu überfliegen. Vieles ist aus meiner Sicht richtig eingeschätzt. Immer wieder werden Beispiele aus und für die Praxis mit angeführt. Offene Fragen werden mutig und richtig benannt: S. 74ff. Ideen werden angerissen (82ff).

Schade finde ich aber, dass das wichtigste Ziel von christlicher Jugendarbeit, dass Jesus Jugendliche retten will und Jesus durch Jugendliche retten will überhaupt nicht oder nur am Rande bedacht wird. Dabei ist das eigentlich m.E. die Hauptaufgabe christlicher Jugendarbeit und das, was sie von anderen Jugendarbeiten zuerst unterscheidet. Hier hätte ich mir klarere Aussagen gewünscht, bzw. ich halte sie für notwendig.
So kommt das Buch vor allen Dingen von der Erhaltungsperspektive der Kirche her und nicht von der Rettungsperspektive Gottes (siehe Seite I9).

Einige Zitate aus dem Buch:

  • 15: Bei dieser Suche nach Orientierung und Engagement erscheinen die kirchlichen Angebote in vielen Fällen nicht attraktiv. (den Jugendlichen)
  • 17: Für evangelische Jugendliche entsteht eine doppelte Minderheitssituation: Minderheit in der Gesellschaft und in der Kirche zugleich.
  • 28: Kirche ist nur noch eine Sinnanbieterin unter vielen und kann sich auf keinen Bonus oder auf eine religiöse Sozialisation in der Kindheit mehr verlassen. 
  • 31: Zudem ist zu beobachten, dass sich die Erwachsenengenerationen zunehmend selbst genügen.(Kapitel 2.3. Die Sorge um die Zukunft und die Verantwortung der Kirche im Generationenverhältnis)
  • 46: Zu den örtlichen Jugendgruppen: …hat noch einmal deutlich gemacht, dass solche Gruppen attraktiv bleiben – trotz oder gegen alle Individualisierungstendenzen. 
  • 75: Sozial benachteiligte Jugendliche finden zu manchen kirchlichen Angeboten kaum Zugang. – Überhaupt werden hier viele gute Fragen gestellt, nach missionarischer Effektivität, Offenheit der Angebote, Umgang mit Ganztagsschulen,… und endlich wird auch die Frage nach der angemessenen Weitergabe der “Botschaft des Evangeliums” gestellt (76). 
  • 77: Kirchliche Angebote für Jugendliche werden durch ein breites  Netz ehrenamtlicher Arbeit gestützt. Haltbar ist ein solches Netz nur durch professionelle Unterstützung hauptamtlicher Mitarbeitender in der Jugendarbeit der Gemeinden, Kirchenkreise und Landeskirchen.
  • 80: Im gesellschaftlichen Dialog und in der kirchlichen Bildungsarbeit ist stärker als bisher das “Recht auf Religion” zu betonen und neben der negativen Religionsfreiheit (Freiheit von Religion bzw. religiöser Bevormundung…) die aktive Religionsfreiheit (Freiheit zur Religion…) hervorzuheben. 
  • 81: Zudem nimmt die Kirche durch ihre Tradierung auch öffentliche Verantwortung wahr, denn eine konsequente Jugendpolitik, die auf Demokratieerziehung und Urteilsfähigkeit – und dieses schließt religiöse Urteilsfähigkeit explizit mit ein – setzt, ist unabdingbar. 
  • 93 (Schlusswort): Die Weiterentwicklung der Arbeit mit Jugendlichen bedarf dazu einer klaren Unterstützung auf allen Ebenen kirchlichen Handelns: … Sie bedarf finanzieller Unterstützung und sie braucht die Ermöglichung von Freiräumen und Teilhabe. Denn in der Arbeit mit Jugendlichen zeigt sich, was Kirche gegenwärtig und zukünftig bedeutet.

10.05._EKD Studie Kirche und Jugend

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