Theologische Grundlinien von Veit Claesberg

„Diese Aussage ist zuverlässig und sollte angenommen werden: Jesus, der Messias, ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Und ich bin ja der größte Sünder von allen!“ (Paulus in 1Tim 1,15)

Auf dieser Seite skizziere ich kurz und prägnant meine theologischen Grundlinien:

a. Theologische Verortung
b. Schriftverständnis
c. Predigtverständnis
d. Gemeindeverständnis
e. Missionsverständnis
f. Leitungsverständnis

Meine auf dieser Website veröffentlichten Ressourcen geben den jeweils verantworteten theologischen Erkenntnisstand zum Zeitpunkt ihrer Ausarbeitung wieder – unter anderem in Fragen von Dogmatik, Ethik, Schriftverständnis, Textauslegung und Gotteserkenntnis. Theologische Erkenntnis ist jedoch kein statischer Besitz, sondern steht in einem Prozess des Lernens und der Vertiefung.
Ich schließe nicht aus, sondern hoffe vielmehr, dass meine Erkenntnis weiter wächst (vgl. 1Kor 13,9). Entsprechend können frühere Predigten oder Texte andere Akzente setzen als spätere. Über strittige oder kontroverse Fragen trete ich gern in ein offenes theologisches Gespräch ein.

 

a. Theologische Verortung

Ich verstehe mich als evangelikaler und freikirchlicher Theologe. Mein theologisches Arbeiten ist geprägt von einem historisch-biblischen Auslegungsansatz der Heiligen Schrift, der den biblischen Text in seinem literarischen, geschichtlichen und heilsgeschichtlichen Zusammenhang ernst nimmt. Dabei ist mir wichtig, theologische Lehre konsequent mit der Praxis von Gemeinde, Predigt und geistlichem Leben zu verbinden und sie im Kontext ihrer jeweiligen geschichtlichen, gesellschaftlichen und kirchlichen Kontexte zu reflektieren.

b. Schriftverständnis

Die Bibel ist das Buch, das mich zum Weg, zur Wahrheit und zum Leben führt, nämlich zu meinem Erlöser Jesus Christus. An ihn glaube ich, weil die Bibel von ihm zeugt und ihn somit geschichtlich als das Wort Gottes im Fleisch offenbart (Joh 1,14).
Weil die Bibel Offenbarung ist, ist Kritik keine angemessene Umgangsweise zum Verstehen der Bibel. Die Bibel wurde von Menschen aufgeschrieben, die durch Gottes Geist dazu gedrängt wurden (2Tim 3,16). Sie ist daher menschlicher und göttlicher Natur.
Ich glaube nicht an ein Buch, sondern an eine Person. Dies kann ich nicht trennen, muss es aber unterscheiden. Ich glaube also an die Bibel um Jesu willen. Die Bibel ist die Heilige Schrift und ist von Gottes Geist eingegeben. Dies gilt für das Alte Testament, das von Jesus und den Aposteln anerkannt wird, sowie für das Neue Testament, das von den Nachfolgern Jesu überliefert wurde.
Sie bestimmt meine Ethik, meine Dogmatik und mein Handeln und muss auch die Ethik, die Dogmatik und das Handeln der Kirche bestimmen. Ich betreibe eine heilsgeschichtliche Auslegung der Schrift, weil sie die geschichtlichen Rahmenbedingungen und die verschiedenen Bünde Gottes berücksichtigt. Darüber hinaus achte ich bei der Auslegung auf grundsätzliche, generelle Anweisungen Gottes (inspirierte Prinzipien) und Anweisungen, die einem historischen Kontext geschuldet sind. Anweisungen der zweiten Art will ich mit dem Geist der Anweisung ins Heute übertragen. Hier hilft es mir, die biblische Linie zu beachten, die seit der Schöpfung bis ins Neue Testament zu erkennen ist.

c. Predigtverständnis

Predigen ist eine große Ehre, denn Menschen lassen zu, dass man ihr Denken mitgestaltet – und zugleich wirkt der Heilige Geist oft über die Worte hinaus, mit leiser Brise oder kraftvoller Prise, in ihr Leben hinein. Auch das Hören einer Predigt ist eine Form der Ehre: Jemand – ob Profi- oder Hobbyköchin bzw. -koch – hat ein Rezept ausgearbeitet, ist in die Küche gegangen, hat die Speise zubereitet und teilt sie aus. Diese Küchenarbeit verdient Anerkennung – selbst dann, wenn die Mahlzeit gelegentlich als zu schlicht oder als schwer verdaulich empfunden wird.
Ich predige das, was ich selbst aus Gottes Wort erkannt habe, und stehe dabei – als Veit Claesberg – unter dem Zuspruch und Anspruch des Wortes, das ich erarbeite und weitergebe. Darum predige ich authentisch, gerne auch unterhaltsam, und bringe persönliche Erfahrungen ein. Eine Predigt muss unterhalten und treffen. Lachen hilft, tiefe Wahrheiten zu platzieren. Ich predige sehr gerne und empfinde dazu sowohl eine Berufung als auch eine Begabung – aber nicht um meiner selbst willen und unabhängig davon, ob vor vielen oder wenigen Menschen. In erster Linie predige ich für Jesus Christus, der seinen Jüngern den Auftrag zur Verkündigung gegeben hat und bei jeder Predigt gegenwärtig ist (the audience of the One). „Das Ziel der Unterweisung aber ist Liebe aus reinem Herzen und aus gutem Gewissen und aus ungeheucheltem Glauben“ (1Tim 1,5; LUT). Sein Reich komme!

d. Gemeindeverständnis

Als Kind Gottes bin ich Gemeinde, bist du Gemeinde, sind wir Gemeinde, und Christus ist unser Kopf. Wir leben die Missio Dei. Wir bilden das Volk des Reiches, und das Reich Gottes ist mitten unter uns. Wir als Gemeinde sind dafür da, Menschen zuzurüsten, nach Eph 4,11f. Wir sind ein Organismus aus erlösten Menschen, die Gott als Vater in Geist und Wahrheit anbeten. Wir leben in der Gesellschaft und prägen die Gesellschaft.
Als Gemeinde tanken wir in der Regel am Sonntag im Gottesdienst auf. Hier sammeln wir uns als Gemeinde zur Sendung in unseren individuellen Alltag. Als Gemeinde wirken wir auch als religiöse, karitative und bildende Organisation in unsere Gesellschaft. Gemeinde ist ein Rahmen, in dem viele unterschiedliche Angebote Platz haben, die von Menschen mit vielen Begabungen initiiert werden.
Gemeinde muss Menschen an den Start und zum Ziel bringen (Himmel, Jesus, Gott), weil der Weg der Nachfolge erst noch gegangen werden muss. Daher brauchen wir vom Auftrag/von der Sendung her (Mission): Evangelisation, Taufe, Lehre, Diakonie und Kasualien. Dieser Auftrag muss immer wieder in zeitgemäßen Strategien (Gottesdienste, Kleingruppen, vermehrt Events und Projekte …) umgesetzt und kontextuell, lokal durch eine motivierende Vision verwirklicht werden. Gemeinde mehrt das Lob Gottes durch Anbetung.

e. Missionsverständnis

Mission verstehe ich ganzheitlich. Gott sendet uns in diese Weltzeit, damit nach seinem Willen alle Menschen gerettet werden. Daher ist Mission nach meinem Verständnis Evangelisation (indem wir predigen, um vor die Entscheidung zu stellen), Taufe (um in die Gemeinschaft zu rufen und zu schützen), Lehre (um den Willen Gottes zu verkündigen, damit wir das Ziel unserer Nachfolge erreichen) und Diakonie (um durch gute Taten Not zu lindern oder Gutes zu fördern). Als Christen sind wir Salz und Licht (Mt 5,16).
Alles fußt im höchsten Gebot: Wir lieben Gott, uns selbst und unseren Mitmenschen. Die Mission geschieht durch die Ortsgemeinde (direkt als Organisation und vor allen Dingen indirekt, indem sie ihre Mitglieder jeden Sonntag neu in die Welt aussendet), zunächst und zuerst in unserem Land und darüber hinaus auch weltweit. Hier muss es Ziel sein, mit einheimischen Christen vertrauensvoll zu netzwerken. Wichtig ist, dass ich mich nicht für Jesus schäme.

f. Leitungsverständnis

Menschen zu leiten ist immer eine Dienstleistung, motiviert durch Liebe zu Gott und zu den Menschen. Daher ist nur dienende Leitung gute Leitung. Als Leiter leite ich mich zuerst selbst. Leiten bedeutet, dass man vorsteht und steuert.
Meine Definition von christlicher Leitung lautet: „Pastorale (geistliche) Leitung steuert den geistlichen Kurs“.
Geistliche Leitung ist ein steuerndes Führungshandeln, das verantwortungsvoll Einfluss auf Menschen, auf die Kirche und die Gesellschaft ausübt.
Dies geschieht mit der Absicht, dass Gottes Aufträge, die er an seine Kirche erteilt hat, umgesetzt werden.
Dafür gibt Gott Menschen Charismen, besonders die Gabe der Kybernetik (Navigation), von der Leitung zusammen mit verschiedenen Facetten ausgeübt wird, nämlich pastoral, prophetisch, lehrend, apostolisch und evangelistisch.
Diese Leitung vollzieht sich im Team, dem ein Kybernet dienend und liebend vorsteht.