Leiten durch Verkündigung: Qualitätsanalyse kerygmatischer Leitung (Hausarbeit)

Qualitätsanalyse kerygmatischer Leitung in der EFG Wiedenest
anhand Verkündigungsformaten, Inhalten und Verantwortungsstrukturen in den Jahren 2012 und 2013

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, in wie weit die Verkündigung in der EFG Wiedenest dem Modell der Kerygmatischen Leitung entspricht, wie sie von Johannes Reimer in seinem Buch „Leiten durch Verkündigung“ vorgeschlagen wird. Durch eine Analyse der aktuellen Verkündigungsformate, Inhalte und Verantwortungsstrukturen wird somit die Qualität kerygmatischer Leitung in der EFG Wiedenest aufgedeckt.
Reimer spricht in diesem Zusammenhang vom Verkündigungsmenü (:71) einer Gemeinde. Mich bewegt als Gemeindereferent und Mitverantwortlicher für die Verkündigung in der EFG Wiedenest die Frage, ob wir ein gutes Menü servieren oder ob wir uns einseitig ernähren. Es geht mir aber nicht in erster Linie um die Frage, ob wir als Gemeinde einem Modell entsprechen, sondern darum, dass jeder Besucher meiner Gemeinde die Chance hat „alles zu befolgen“, was Jesus aufgetragen hat (Mt 28,20).
Anders ausgedrückt ist es mein Ziel, dass jeder Nichtchrist in unserer Gemeinde Jesus kennen lernen kann und jeder Christ in unserer Gemeinde zur Reife/Fülle gelangen kann (2Tim 4,1). Klaus Eickhoff betont: „Die Gemeinde nach dem NT ist ein sinnvoll zusammengefügter Leib mit untereinander verbundenen Gliedern, die sich um Christus und sein Wort versammeln, um sich – von der Freude am Herrn erfüllt – senden zu lassen. Sie sammelt sich nicht um ihrer selbst, sondern um Christi und der Sendung willen. Indem sie sich senden lässt, spiegelt sie die Liebe Gottes wider, von der sie selber lebt.“ (Eickhoff 2011:15)
Dies ist auch das Anliegen unserer Gemeindevision: wachsen nach innen & außen – zur Ehre Gottes. Wir wollen als Leitung geistliches-innerliches Wachstum fördern und gleichzeitig Menschen mit der rettenden Botschaft erreichen, die zur Gemeinde hinzugetan werden. Das alles soll zur Ehre Gottes geschehen.

Zunächst stelle ich in dieser Hausarbeit das Verständnis von „Kerygmatischer Leitung“ nach Johannes Reimer dar, indem ich das Buch, Leiten durch Verkündigung – Eine unentdeckte Dimension (Reimer:2008), kurz zusammenfasse. Diese Art der Leitung soll mir in Zukunft als Leitbild für eine Verkündigungsstrategie in der EFG Wiedenest dienen.
Anschließend liste ich die aktuellen Formate der Verkündigung in der EFG Wiedenest auf und lege die Verantwortungsstruktur für die Verkündigung dar. Danach beschreibe ich in einem weiteren Schritt die Verkündigungsinhalte (Curriculum).
Von da aus lege ich durch einen tabellarischen Vergleich der fünf Verkündigungsbereiche kerygmatischer Leitung mit den aktuellen Formaten der EFG Wiedenest, die Qualität der kerygmatischen Leitung offen.
Diese Analyse birgt dann die Chance für die Zukunft eine ausgewogenere und umfassendere Verkündigung in unserer Gemeinde gewährleisten zu können.

Disposition

1. Einleitung
2. Kerygmatische Leitung nach Johannes Reimer
2.1. Darstellung des Ansatzes anhand des Buches „Leiten durch Verkündigung“
2.2. Kritische Würdigung
3. Situation der Verkündigung in der EFG Wiedenest
3.1. Die Meta-Ebene: Jahresüberschrift
3.2. Aktuelle Verkündigungsformate
3.2.1. Die Gottesdienste am Sonntag / Frontalpredigt
3.2.2. Kleingruppen und Hauskreise / Bibelgespräch & Gemeinschaft
3.2.3. Kurse im Gemeindeseminar
3.2.4. Individuelle Förderangebote
3.2.5. Projekt-Evangelisation
3.3. Planungsverantwortung der Verkündigung
3.4. Die Mitarbeiter in der Verkündigung
4. Anteil der fünf Bereiche kerygmatischer Verkündigung in den einzelnen Formaten der EFG Wiedenest
5. Fazit aus der tabellarischen Analyse
5.1. Fazit zu den Zielgruppen
5.2. Fazit zum Zeitanteil
5.3. Fazit zum Einzelanteil der Verkündigungsbereiche
5.4. Fazit zur Mitarbeitergewinnung und -förderung
6. Gesamtfazit und Vorschläge zur Qualitätsverbesserung
7. Ausblick

Die Arbeit ist mit einem Passwort geschützt. Infos dazu hier.

Gutes Zitat Nr. 39

„Es gibt kein anderes Ziel für einen Prediger, als daß durch seinen Dienst die Menschen die Hände falten lernen und Christus Jesus anbeten, nicht irgend einen Gott, – sondern den gekreuzigten Christus, der auferstanden ist, aufgefahren gen Himmel, erhöht zur Rechten der Majestät Gottes, und der wiederkommen wird als der Herr aller Herren und der König aller Könige. Wenn ein Prediger die Menschen so weit hat führen können, daß sie diesen Herrn ‚im Geist und in der Wahrheit anbeten‘, dann kann man diese Menschen ruhig sich selbst überlassen. Aber das ist Freude, wenn ein Prediger diesen Dienst hat tun dürfen.“

Arnold Köster in einer Predigt über 2Kor 1,12-14, am 31.01.1943

Rezension: IHN verkündigen wir – Die Zentralität Gottes in der Predigt

piper_verkündigenPiper, John, IHN verkündigen wir – Die Zentralität Gottes in Predigt und Verkündigung, Betanien-Verlag 2006
3,5 von 5 Punkten

John Piper hat ein kurzes Buch über Verkündigung geschrieben (118 Seiten). Es geht ihm nicht um Methoden, sondern um die Zentralität Gottes in der Verkündigung. Darin liegt die Stärke des Buches.
Im 1. Teil behandelt er die Frage, warum die überragende Herrlichkeit Gottes durch die Predigt vermittelt werden muss. Im 2. Teil geht es ihm um das „Wie“ der Vermittlung. Sein Vorbild ist dabei Jonathan Edwards.

Ich habe hier die für mich wichtigsten Zitate herausgeschrieben:

  • „Deshalb bin ich davon überzeugt, dass die Vision von der Größe Gottes der Dreh- und Angelpunkt im Leben der Gemeinde ist, sowohl im pastoralen Dienst als auch in der weltweiten Mission. Unsere Gemeindemitglieder müssen Predigten hören, die eine Faszination von Gott vermitteln. Sie brauchen wenigstens einmal pro Woche jemanden, der seine Stimme erhebt und die Erhabenheit Gottes herausstellt.“ (: 11)
  • „Gott selbst ist das notwendige Hauptthema unserer Predigt: Seine Majestät, seine Wahrheit, seine Heiligkeit, seine Gerechtigkeit, seine Weisheit, seine Treue, seine Souveränität und seine Gnade. Ich meine damit nicht, dass wir nicht über wesentliche, praktische Dinge wie Ehe und Kindererziehung und Aids und Völlerei und Fernsehen und Sex predigen sollten. Ich meine aber: All das sollte direkt in die heilige Gegenwart Gottes gestellt und dann sollte aufgedeckt werden, ob die Wurzeln gottgemäß oder gottlos sind.“ (: 11f)
  • „Die Predigt ist also deshalb so elementar für die gemeinschaftliche Anbetung der Gemeinde, weil allein sie Nahrung bietet sowohl für Verstand als auch Gefühl. Allein sie kann dazu motivieren, Gott sowohl zu sehen als auch zu genießen.“ (: 13)
  • „Gott ist das Ziel der Predigt. Gott ist die Grundlage der Predigt – und alles dazwischen wird durch den Geist Gottes  gegeben.“ (: 21)
  • „Ist es das, was man heute aus dem Gottesdienst mitnimmt? Ein Bewusstsein von Gott, einen Sinn für seine souveräne Gnade, einen Eindruck von seiner allumfassenden Herrlichkeit, dass großartige Thema von Gottes unendlichem Wesen? Treten die Leute eine Stunde die Woche – und das ist keine übertriebende Erwartung – in eine Atmosphäre der Heiligkeit Gottes ein, deren Nachgeschmack die ganze Woche über auf ihrem Leben haftet?“ (: 23f)
  • „Das Ziel der Predigt ist die Verherrlichung Gottes, in dem seine Geschöpfe sich ihm freudig unterwerfen.“ (: 31)
  • „Das grundlegende Problem des Predigens ist die Frage, wie ein Prediger Sündern Hoffnung machen kann in Anbetracht von Gottes unumstößlicher Gerechtigkeit. Natürlich hält der Mensch selbst dies nicht für das größte Problem. Das hat er noch nie getan.“ (: 32)
  • „Prediger, die sich nach der Bibel und nicht nach der Welt richten, kämpfen hier mit geistlichen Realitäten, von den viele Zuhörer nicht einmal wissen, dass es sie gibt, oder sie für unbedeutend halten.“ (: 32)
  • „Ohne das Kreuz wäre ein Predigen, das auf die Verherrlichung eines gerechten Gotts durch die Freude von sündigen Menschen abzielt, ohne Berechtigung.“ (: 35)
  • „Das Kreuz ist sowohl eine Stellvertretung in der Vergangenheit als auch eine Tötung in der Gegenwart. In der Predigt erhöht es die Herrlichkeit Gottes und erniedrigt den Stolz des Predigers. Es ist die Grundlage sowohl unseres Glaubens als auch unseres Verhaltens. Paulus geht so weit zu sagen, dass die Predigt null und nichtig ist solange der Prediger nicht gekreuzigt ist (1. Korinther 1,17). Was wir beim Predigen sind, ist entscheidend für das, was wir sagen.“ (: 38)
  • „Beim Predigen muss es unser beständiges Ziel sein, Gottes Herrlichkeit zu präsentieren und anzupreisen… und die Allgenugsamkeit des Kreuzes Jesu Christi muss unsere Predigt berechtigen und unseren Stolz demütigen… Und das souveräne Werk des Geistes Gottes muss die Kraft sein, durch die all das erlangt wird… (: 39).
  • „Wie sehr sind wir beim Predigen vom Heiligen Geist abhängig! Alles wahre Predigen wurzelt in einem Gefühl der Verzweiflung. Du wachst Sonntag morgensauf und kannst auf der einen Seite den Rauch der Hölle riechen und auf der anderen Seite die frischen Brisen des Himmels. Du gehst zum Schreibtisch und schaust dir dein erbärmliches Manuskript an, kniest nieder und schreist: „O Gott, das ist so schwach!…“ (: 39)
  • „Man könnte auch sagen: Menschenliebe geht mit kostbaren Wahrheiten nicht leichtfertig um (daher der Aufruf zu ernsthaftem Predigen), und sie legt nicht die Last des Gehorsams auf, ohne die Kraft der Freude zu vermitteln, die hilft, sie zu tragen (daher der Aufruf zu freudigem Predigen).“ (: 55)
  • „Jeden Sonntag Morgen geht es um Himmel und Hölle – und das nicht nur, weil Ungläubige anwesend sein könnten, sondern auch, weil Christen gerettet werden, >sofern sie im Glauben fest bleiben< (Kolosser 1,23).“ (: 63)
  • „Denken sie oft über den Tod nach. Das ist absolut unvermeidbar, solange der Herr seine Wiederkunft noch verzieht, und von großer Tragweite. Es wäre unglaublich naiv, nicht an die Bedeutung des Todes für das Leben und Predigen zu denken.“ (: 65)
  • „Jesus ist das große Vorbild für Prediger. Die Massen hörten ihm freudig zu, Kinder waren in seinen Armen, die Frauen fanden Beachtung. Doch keiner sprach in der Bibel öfter oder drastischer über die Hölle als er.“ (: 67)
  • „Die Predigt ist ein Gnadenmittel, um den Gläubigen zum Ausharren zu verhelfen. Ausharren ist notwendig zur letztendlichen Errettung. Daher ist jede Predigt ein >Ruf zum Heil< – nicht nur, um Sünder zur Umkehr rufen, sondern auch, damit die Gläubigen in ihren heiligen Emotionen ausharren und sie somit imstande sind, ihre Berufung und Erwählung zu bestätigen und errettet zu werden.“ (: 84)
  • „Eine gute Predigt zielt darauf ab, >heilige Emotionen> (engl. affections) zu wecken – wie z.B. Hass auf die Sünde, Freude an Gott, Vertrauen auf seine Verheißungen, Dankbarkeit für seine Barmherzigkeit, Sehnsucht nach Heiligkeit und liebevolles Mitgefühl. Der Grund ist, dass das Fehlen von >heiligen Emotionen<  in Christen abscheulich ist.“ (: 88)
  • „Das unsere Versuche, den Himmel attraktiv und die Gnade erstaunlich aussehen zu lassen, oft extrem erbärmlich wirken, ist zum Teil eine Folge von unseren harmlosen Bildern der Hölle.“ (: 97)
  • „Das Predigen über die Hölle ist nie ein Selbstzweck. Man kann niemanden in den Himmel hineindrohen… Dennoch sagte Edwards: >Manchen halten den Gedanken, Menschen durch Angst in den Himmel zu bringen, für unvernünftig; aber ich betrachte es als vernünftiges Bemühen, Menschen von der Hölle weg zu ängstigen. Es ist vernünftig, jemand durch Ängstigen aus einem brennenden Haus herauszuretten.“ (: 99)
  • „An unsere Zuhörer zu appellieren, dass sie auf unsere Predigt reagieren sollen, wiederspricht nicht der hohen Lehre von der Souveränität Gottes.“ (: 101)
  • „Das Ergebnis einer Predigt ist völlig von der Gnade Gottes abhängig. Deshalb muss der Prediger daran arbeiten seine Predigt durch Gebet und die Wirkmacht Gottes zu stellen.“ (: 105f)
  • „In einem geisterfüllten Prediger gibt es jene zärtliche Zuneigung, die jede Verheißung versüßt und jede Warnung und Zurechtweisung mit Tränen mildert.“ (: 107)
  • „Wenn in unserer Predigt Gott nicht eine überragende Herrlichkeit hat, wo in aller Welt werden die Menschen dann von der alles überragenden Herrlichkeit Gottes erfahren?“ (: 117)
  • „Wenn wir unsere Gemeinde lieben, wenn wir die >anderen Schafe< lieben, die noch nicht der Herde zugeführt wurden, wenn wir es lieben, dass Gottes weltweiter Plan erfüllt wird, werden wir uns die Mühe machen, >in der Wüste einen Tisch zu bereiten< (Psalm 78,19). Überall hungern Menschen nach der Freude an Gott…>Die Freude an Gott ist das einzige Glück, durch das das Verlangen unserer Seelen gestillt werden kann!<“ (:177f)

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Empfehlung: Der Geschichtenerzähler

Bild_Flyer_klFür Kirchengemeinden kann ich folgendes neue und ungewöhnliche Veranstaltungsformat empfehlen: Der Geschichtenerzähler.

Joachim Zwingelberg, genannt Jojo, bringt biblische Geschichten als interessante Erzählung rüber. Dabei verfremdet er teils die Geschichten und schmückt sie kreativ aus. Die Veranstaltung richtet sich in erster Linie an Erwachsene, wobei Kinder auch ihren Spaß haben. Freunde und Bekannte lassen sich gut dazu einladen. Die Zuhörer bekommen einen neuen Zugang zu biblischen Geschichten. Jojo konzentriert sich auf das Neue Testament und Geschichten über Jesus und seine Nachfolger. Er setzt die Typen der Jünger gekonnt in Szene, wenn er z.B. anhand Red Bull-Dosen ihre Charaktäre skizziert.

Wir haben so eine Veranstaltung in der EFG Wiedenest im Februar 2014 durchgeführt. Unten – im Anhang – dazu unsere Pressemitteilung. Mir gefällt, dass sich der organisatorische Aufwand leicht Schultern lässt. Lediglich auf eine gute Beleuchtung und guten Ton muss geachtet werden. Das dürfte in den meisten Gemeindehäusern kein Problem sein. Wenn man will, kann man mit vorgefertigten Flyer und Plakaten extra zur Veranstaltung einladen. Jojo erzählt 2x45min und in der Pause konnte man sich bei Getränken unterhalten. Wir hatten ca. 70 Besucher.

14.02.18_Pressemitteilung EFG Wiedenest Der Geschichtenerzähler