Geld
©
2001 by Veit Claesberg
Veröffentlichungen, egal welcher Art, nur nach Rücksprache mit dem Verfasser. - webmaster@veitc.de - www.veitc.de
Aufbau
a.
Einleitung
b.
Fragebogen
c.
Auswertung des Fragebogens
d. Referat
1. Der Zehnte im AT
2. Der Zehnte im NT bei Jesus
3. Die ersten Gemeinden sprengen den 10% Rahmen
4. Der Zehnte in der Kirchengeschichte
5. Fazit
5.1. Der Zehnte ist für uns ein Maßstab, weil...
5.2. Der Zehnte ist für uns kein Maßstab, weil...
e. Anlagetipps
a. Einleitung
Ich soll heute Abend über ein Thema mit euch reden, über das gewisse Leute überhaupt nicht gerne reden - weil darüber redet man nicht, dass hat man.
Ich habe den Eindruck, das in den letzten Jahren aber offener über dieses Thema geredet wird. Es geht ums Geld!
Man kann sagen, wie teuer etwas war, oder wie billig, ohne das man sich schämen muss. Auch der Verdienst eines anderen - bzw. das Geld, was er für seine Arbeit bekommt, oder die Höhe des Taschengelde, BAFöGs... sind kein Geheimnis. Warum auch?
In christlichen Kreisen, so habe ich den Eindruck, ist das anders:
- Geld ist ein heikles Thema, man redet nicht oft darüber
- Zahlen werden selten offen genannt
- Man darf auch nicht zu viel um Geld bitten, weil man dann gleich als Bettelwerk verschrien wird oder sofort Leute auf den Plan treten und fragen, ob diese oder jene Ausgabe nötig sei, was manchmal enorm blockieren kann und manchmal berechtigt ist.
- Auch die Wege, um an Geld zu bekommen, sind oft die gleichen: man bittet um Spenden und wenn die nicht kommen, dann formuliert man so, dass alle wissen, dass es jetzt allerhöchste Zeit wird, der Gemeinde oder einem Werk Geld zu geben.
- auch christliche Veranstaltungen, Freizeiten und Events müssen immer gaanz, gaaanz billig sein und wehe, sie sind teuer...
Damit muss langsam Schluss sein und man muss offen über den Faktor Geld reden. Geld ist nicht alles, das ist klar. Die Gemeinde und das Reich Gottes würde auch ohne Geld, durch Hilfe untereinander, überleben. Aber Geld ist das Zahlungsmittel unserer Welt und wir leben hier, also ist es auch unser Zahlungsmittel. Wo bekommt die Gemeinde oder christliche Werke also Geld her? Wie viel gibt man ihnen und wie viel sollte man eigentlich geben.
Diese Fragen wollen wir klären - heute hier, speziell für die Jugendgruppe Heiligenhaus.
Dazu gibt es jetzt einen netten kleinen Fragebogen...
b. Fragebogen
c. Auswertung des
Fragebogens (Tali)
- Eure Jugendgruppe hat also so und so viel Geld im Monat zur Verfügung
- Davon gibt sie so und so viel Geld für Gott...
- Sie ist der Meinung, dass sie so und so viel Geld für Gott geben sollte...
Wie kommt man eigentlich auf 10%? Ich möchte erklären, wo diese Zahl herkommt und was wir von dieser Zahl zu halten haben.
1. Der Zehnte im AT
Die 10 % Klausel, also dass man den zehnten Teil seines Einkommens bzw. Ertrages Gott gibt, kennen wir aus dem Alten Testament. Dort fordert Gott von seinem Volk, von bestimmten Dingen den Zehnten an ihn abzugeben.
Gott gibt dieser Regelung in 3. Mo. 27, 30-32a (lesen/HFA) verbindlichen Rechtscharakter. Hier geht es um regelmäßige, meist jährliche Abgaben.
Þ Jeder zehnte Teil der Ernte von Getreide und Fürchten soll an Gott abgegeben werden
Þ Jedes zehnte Rind und jedes zehnte Schaf gehören Gott. Dabei wurden die Tiere an einem Schäfer vorbeigeführt und jedes zehnte Tier gehörte Gott
Þ Es wird deutlich, dass es hier um Netto geht, also das was rauskommt. Es geht um den Zehnten vom Ertrag der Ernte oder des Weines, der nach dem Dreschen oder keltern übrigbleibt.[1]
In jedem dritten Jahr kam den Zehnten eine besondere Bedeutung bei. Die Versorgung der Leviten, Fremden, Witwen und Waisen stand im Vordergrund. Für sie wurde der Zehnte bestimmt (5. Mo. 14, 28f; 26, 12-15). Damit war ihre Versorgung gesichert und keiner musste hungern.
Besonders für die Leviten hatte der Zehnte eine wichtige Bedeutung. Die Leviten waren einer von zwölf Stämmen Israels. Sie waren zum Dienst für Gott ausgesondert und hatten daher kein Land und keine Felder. Damit sie leben konnten und für Gott Zeit hatten, bekamen sie den Zehnten. Von den Leviten waren einige zum Priester an Gottes Heiligtum bestimmt. Sie bekamen wiederum von den Leviten den Zehnten, damit sie leben konnten (4. Mo. 18).
In der Regel sollte der Zehnte zum Heiligtum gebracht werden (5. Mo. 12, 15ff).
Und jetzt wird es interessant. Dort durfte man den Zehnten aufessen, zusammen mit den Leviten. Man sollte ein Freudenfest veranstalten, eine richtige Fete (5. Mo. 14, 22ff) - V. 26 lesen.
Damit sind wir bei der inhaltlichen Bedeutung des Zehnten. Es geht letztlich um die Ehre Gottes. Der Mensch bringt durch den Zehnten zum Ausdruck, dass Gott alles gehört und alles von Gott kommt. Alles was der Mensch besitzt empfängt er von Gott. Das ist ein Grund zum Danken und zum Feiern.
So hat der Zehnte eine tiefe geistliche Bedeutung und eine soziale Funktion für die Menschen, die nicht so viel haben.
Halten wir vom AT her fest:
Þ Gott ordnet den Zehnten an
Þ Der Zehnte ist besonders für die Menschen, die arm sind und für die Priester
Þ Er drückt das Wissen aus, dass alles was der Mensch hat, von Gott kommt.
Wie ging es weiter mit dem Zehnten. Israel hielt sich oft nicht an dieses Gesetz. Im letzten Buch des AT, in Mal. 3, 8-10, spricht Gott sogar davon, dass man ihn beraubt. In der Zeit zwischen AT und NT wird das Gesetz über den Zehnten erweitert. Schließlich kommt der Sohn Gottes, Jesus Christus und setzt neue Maßstäbe:
2. Der Zehnte im NT bei
Jesus
Jesus hat natürlich nichts gegen den Zehnten. Er kritisiert aber eine Praxis, die im Zusammenhang mit dem Zehnten aufgekommen ist:
Ø Mt. 23, 23 (lesen) Lk. 11, 42 - Die Pharisäer übertrieben es. Sie fingen an selbst
Gewürze zu verzehnten. 1, 2, 3, 4.... jeder Zehnte Schnittlauchhalm gehört
Gott. Mensch bin ich toll und genau. Toll, aber dafür waren sie ungerecht,
unbarmherzig und untreu. Jesus sagt, dass es darauf ankommt. Wenn man das
beachtet, dann kann man seinetwegen auch Gewürze verzehnten.
Wie gesagt, Jesus hat so nichts gegen den Zehnten, aber dadurch das Jesus kam, verloren die für Israel gültigen alttestamentlichen Staatsordnungen an Bedeutung. Außerdem macht Jesus klar, dass man nicht durch das Gesetz gerecht wird. Daher ist es nur konsequent, dass Jesus neue Spendenmaßstäbe setzt:
· Mk. 12, 41-44 (lesen) - Jesus macht
deutlich, dass nicht der tatsächliche Wert einer Spende entscheidend ist,
sondern die Einstellung, mit der man spendet. Die Witwe hatte fast nichts und
gab dieses „fast nichts“ Gott.
· In
Mt. 6, 1-4 (lesen) macht Jesus
deutlich, dass man unauffällig spenden soll. Die Spende soll man zwischen sich
und Gott ausmachen. Er wird beurteilen und belohnen
· Im
Prinzip lässt sich die Einstellung Jesu zum Besitz, also auch zum Geld, mit Mt. 6, 33 (lesen) zusammenfassen. Alles sollen wir dem Reich Gottes unterordnen.
Geld, Zeit, Besitz..... Das Reich Gottes hat oberste Priorität, weil es im
Gegensatz zu alledem, was hier auf der Erde abläuft, unvergänglich ist. Daran
sollte sich also auch das Spenden orientieren und Gott verspricht, dass er dann
um uns sorgen wird.
Diese Einstellung sprengt den 10 % Rahmen. Es geht nicht darum, Gott einen Teil abzugeben, damit er beruhigt ist und man was Gutes damit machen kann. Es geht darum, Gott sein ganzes Leben, wozu natürlich auch mein Besitz gehört, zu unterstellen und ihm alles zu geben.
Das haben zumindest die ersten Gemeinden so verstanden:
3. Die ersten Gemeinden
sprengen den 10 % Rahmen
Wenn wir in die Apostelgeschichte schauen, stellen wir fest, dass sich die ersten Christen in Jerusalem alles teilten. Wenn jemand in Not geriet, verkaufte ein anderer ein Grundstück. So gab es keinen, der Not leiten musste (Apg. 2, 44; 4, 34). Das war, wie manche Ausleger meinen, kein blinder Enthusiasmus, der später darin mündete, dass alle arm waren, sondern echte Liebe untereinander.
Trotz dieser gegenseitigen Unterstützung wird die Not der Jerusalemer Christen immer größer. Dies lag daran, dass die Gemeinde verfolgt wurde und das eine Hungersnot ausbrach. Aufgrund dieser Situation, beschloss die Gemeinde in Antiochia, eine Kollekte einzusammeln:
Apg. 11, 28-30 (lesen). Diese Kollekte wird später wiederholt. Dem Apostel Paulus, waren diese Sammlungen ein großes Anliegen. Es lohnt sich, einzelne Spendenaufrufe genauer anzukucken und zu sehen, was daraus deutlich wird.
· Apg. 11, 29 jeder soll soviel geben, wie er erübrigen kann
· 2. Kor. 9, 6.7 (lesen) jeder soll soviel geben wie er mag. Es soll ihm nicht leid tun. Wichtig: Einen fröhlichen Geber hat Gott lieb.
· 2. Kor. 8, 1-5 (lesen) Die Mazedonier gaben alles und vor allem sich selbst
Was fällt bei diesen ganzen Stellen auf?
Der Zehnte ist überhaupt kein Thema. Die jungen Gemeinde sprengen den 10 % Rahmen!!
Im NT ging es bei einer Spende richtig ans Eingemachte. Wenn es irgendwo nötig war, spendete man zu Not bis auf die Knochen.
Besonders stechen hier die Gemeinden in Mazedonien hervor. Sie gaben alles und sich selbst.
So war das im NT!
4. Der Zehnte in der Kirchengeschichte
So weit so gut - doch im Laufe der Kirchengeschichte änderte sich die Praxis. Vielleicht lag es mit daran, dass es immer mehr Leute gab, die im Dienst der Kirche standen und bezahlt werden mussten. Paulus hatte ja schon angeordnet, dass man die Leute, die der Gemeinde besonders dienen, auch bezahlen soll (1. Tim. 5, 17ff). Man konkretisierte diese Forderung in dem man sich am alttest. Zehnten orientierte, der ja auch für Diener Gottes bestimmt war.
Mit der Einführung der Kirchensteuer verliert der Zehnte seine allgemeine Bedeutung und man hat sich endgültig von der Bibel entfernt. Das Geld wird automatisch eingezogen, ob man will oder nicht, außer man tritt aus der Kirche aus.
5. Fazit
So - und jetzt, was lernen wir aus dem bisher Gesagten?
Man kann das ganze nur von zwei Seiten betrachten. Auf der einen Seite muss man sagen:
5.1. Der Zehnte ist
für uns ein Maßstab, weil...
· ... weil Paulus in Röm. 15, 4 schreibt, das alles was im AT steht, zu unserer Belehrung geschrieben wurde. Daher ist es richtig, sich auch am alttestamentlichen Zehnten zu orientieren und zu sehen, was wir davon ableiten können. Er kann uns bei der Frage nach dem, was wir von unserem Geld abgeben sollen, eine Hilfestellung sein.
· ... weil uns durch den Zehnten deutlich wird, dass alles was wir sind und haben von Gott ist und kommt. Dies ist ein Grund zum Feiern. Dafür darf man sogar ein Teil seines Zehnten verbraten.
· ... weil wenn alle Christen ihren Zehnten geben würden, die soziale Not auf der Welt gelindert werden könnte. Missionswerke bräuchten nicht ständig Bittbriefe zu schreiben, sondern hätten immer genug Geld.
Aber, auf der anderen Seite bleibt festzuhalten:
5.2. Der Zehnte ist für uns kein Maßstab, weil...
· ...
weil es nicht reicht, den Zehnten zu geben um vor Gott irgendwie gut dazustehen.
Gott will nicht puren Gehorsam, wie in die Pharisäer vertraten. Man kann Gott
nicht kaufen. Gott will unser ganzen Leben. Röm. 12, 1 (lesen) bringt dies besonders zum Ausdruck.
· ...
weil ein stures Festhalten an der 10 % Klausel nicht mit Mt. 6, 33 übereinstimmt und auch nicht mit der Praxis der
Urgemeinden. Wir sollen zuerst nach Gottes Reich trachten, wenn es nötig ist,
alles geben. Warum? Weil Gott unser ganzes Leben will. Dies bringt besonders Röm. 12, 1 (lesen) zum Ausdruck.
· ...
weil wir Gott nicht mit dem Zehnten abspeisen können, so nach dem Motto: Das
gehört jetzt dir Gott und jetzt misch dich bitte nicht weiter in meine
finanziellen Angelegenheiten ein. Gott will unser ganzes Leben. Er will uns mit
Haut und Haaren. In Röm. 12, 1 (lesen)
kommt dies besonders zum Ausdruck.
Wenn wir Gott unser ganzes Leben zur Verfügung stellen, brauchen wir nicht mehr im 10 % Rahmen stecken bleiben. Wir brauchen nicht krampfhaft überlegen, was und wie viel wir in die Kollekte werfen und was man jetzt alles verzehnten muss.
Wir müssen wegkommen, von einem Gehorsamen, um unser Gewissen zu beruhigen. Wir müssen Gott ganz dienen, nicht mit 10%. Das gilt, so legt es eine Bibelstelle in Röm. 12, 1 nahe: Für unser ganzes Leben. Ich würde mir wünschen, dass ihr lernt, so mit eurer Zeit, eurem Geld, eurem Besitz, eurem Leben umgeht.
e. Anlagetipps
Wie kann das nun konkret für den Bereich Geld aussehen. Wie kann man Gott Geld geben? Gott hat ja nicht irgendwo ein Konto. Wie kann man Gott Geld geben?
Ich bitte um Vorschläge...
Einiges wurde ja schon deutlich:
- Arme unterstützen
- Leute, die ihren Beruf im Reich Gottes haben, unterstützen
- Geld, damit sich das Reich Gottes ausbreitet, zur Verfügung stellen.
Hier eine kleine Hilfe. Bitte versteht das nicht falsch oder als billige Werbung. Wenn ihr damit nichts anfangen könnte, dann werft den Brief einfach weg. Er enthält ein paar Tipps, wie man in Wiedenest, wo ich ja angestellt bin, Geld sinnvoll zum Bau des Reiches Gottes anlegen kann.
Ich möchte es etwas konkreter machen. Ich schlage euch vier Projekte vor, wo ihr euer Geld anlegen könnt. - Entscheidet das in Ruhe zu Hause.
Gott will alles - er will euch mit Haut und Haaren. Ihr bekommt dafür ein erfülltes und zufriedenes Leben, dass nicht vom Geld und vom Besitz alles ist. Gott gibt uns einen inneren Frieden und eine inner Zufriedenheit.
Errechnen
wir das Durchschnittseinkommen eurer Jugendgruppe!
|
|
Be-trag |
%[2] |
|
Wie
viel Geld hast du im Monat zur Verfügung? |
|
100 |
|
Wie
viel geht davon drauf für Kleidung? |
|
|
|
Wie
viel geht davon drauf fürs Auto, Zug, Fahrrad, Motorrad, Mofa? |
|
|
|
Wie
viel geht davon drauf fürs Vergnügen (Kino, Eis, McDoof, Schlittschuhlaufen,
Rollschuh fahren...)? |
|
|
|
Wie
viel geht davon drauf für Körperpflege (Kernseife, Crisan,
Hühneraugenpflaster...)? |
|
|
|
Wie
viel geht davon drauf für Hobby (Briefmarken sammeln, Tauben züchten, Pilze
suchen...)? |
|
|
|
Wie
viel davon legst du auf die hohe Kante? |
|
|
|
Wie
viel davon stellst du dem Reich Gottes zur Verfügung? |
|
|
|
Wie
viel % seines Geldes sollte man (evtl. eigentlich) deiner Meinung nach Gott
abgeben? |
|
|
[1] Man konnte die Naturalien
auch durch Geld ersetzen, musste dann aber noch zum Wert der Naturalien 20%
aufschlagen. So gab man dann nicht 10 % sondern 12 %. Allerdings wurde dies
später nur erlaubt, wenn das Heiligtum zu weit weg war (5. Mo. 14, 22).
[2] Die Prozente lassen sich im Dreisatz super ausrechnen:
x/Einzelsumme
= 100/Gesamtsumme
Also,
wenn du 150 DM im Monat hast und gibst davon 23 DM für Körperpflege aus, dann
rechnest du:
x/23
= 100/150 - nach der einfachen J Dreisatzumstellung ergibt
sich:
x =
23x100/150 - also umgerechnet x = 2300/150 und das ist x = 15, 3%